Hingebungsvoll in der Handschrift des Meisters kopierter Gedichtband Georges
Der Teppich des Lebens. (Mit:) Vorspiel.
99 beschr. SS. auf 57 Bll. Handgeschriebene StG-Schrift in Tinte auf starkem Papier mit Büttenrändern. Handgebundenes Manuskript, Kartondeckel mit Leinenrücken und Buntpapierbezug. Kl.-8vo (110 x 132 mm). 2 kurze, originale Bindebänder.
€ 1.800,00
Besonders schöne, ebenmäßige Abschrift des "Teppichs des Lebens" mit dem dazugehörigem Vorspiel, niedergeschrieben von einem nicht ermittelten Verehrer des Lyrikers in der bekannten George-Schrift. Stefan Georges Jünger pflegten sich um eine geradezu "mimetische Aneignung dieser Schrift des Dichters" zu bemühen (Stefan George und sein Kreis, Handbuch Bd. 1, S. 735); der Grafiker Melchior Lechter entwickelte für die Veröffentlichung der Werke Georges die entsprechende, von dessen Handschrift abgeleitete serifenlose Drucktype mit optisch gleichbleibender Strichstärke.
Der Gedichtzyklus "Der Teppich des Lebens und die Lieder von Traum und Tod. Mit einem Vorspiel" erschien erstmals 1900; die von Lechter gestaltete Erstausgabe bildete ein besonderes Prachtwerk mit prunkvollen Ornamenten und Illustrationen, dessen Platten nach dem Druck vernichtet wurden. In der hier vorliegenden Handschrift wurden die "Lieder von Traum und Tod" nicht mit aufgenommen.
Das Vorspiel wie auch der "Teppich des Lebens" umfassen je 24 Gedichte in vierzeiligen Strophen, hauptsächlich in fünfhebigen, iambischen Kreuzreimen. Das Vorspiel bilden spruchhaft-dialogartige Gedichte über die Bestimmung der Dichtkunst, der "Teppich" dagegen entfaltet narrativ exemplarische Situationen und Figuren unterschiedlicher Stimmungen.
Zu Georges Jüngern zählten etliche später herausragende Literaten und Historiker, darunter Ludwig Klages oder Ernst Kantorowicz. Aufgrund der in mancher Hinsicht kultartigen Züge des George-Kreises bleibt der Dichter trotz seiner überragenden Bedeutung für die Lyrik des 20. Jahrhunderts jedoch bis heute umstritten; auch sein Verhältnis zum Nationalsozialismus wird weiterhin diskutiert. Georges Auffassung von Führertum erscheint in Nr. 23 des Vorspiels: "Was uns entzückt verherrlicht und befreit / empfangen wir aus seiner Hand zum Lehn / und winkt er, sind wir stark und stolz bereit / für seinen Ruhm in Nacht und Tod zu gehen". Adorno wiederum spekulierte 1964, dass Stauffenberg vor seinem Anschlagsversuch an das berühmte Gedicht "Der Täter" aus dem "Teppich des Lebens" gedacht haben mag: "Wer niemals am Bruder den Fleck für den Dolchstoß bemaß / wie leicht ist sein Leben und wie dünn das Gedachte / dem der von des Schierlings betäubenden Körnern nicht aß! / O wüsstet ihr wie ich euch alle ein wenig verachte!"
Aus dem Nachlass des in Zürich gebürtigen und in Frankfurt aufgewachsenen israelischen Archäologen Levi Yitzhak Rahmani (1919-2013).
Einband berieben, an den Ecken und Kanten merklich bestoßen. Das Papier gebräunt und stellenweise unterschiedlich fleckig.
















