Freundschaftsalbum

[Album amicorum]. Freundschaftsalbum des Theologen Matthias Harnwolf mit über 250 Eintragungen.

Meist Leipzig und Jena, aber auch Berlin, Frankfurt a. d. Oder, Halle a. d. Saale, Liegnitz, Magdeburg, Sopron und Waldau, 1769-1773.

Mit gezeichnetem Titelblatt, 4 Aquarellen und einigen Textvignetten. Am Schluss 5 Blatt "Regeln für Studirende" sowie "Nützliche Conversations Regeln", wohl beide aus der Hand Harnwolfs. Etwa 200 Blatt, davon wenige leer, ca. 6 Blatt alt entfernt. Originaler brauner Lederband mit überaus reicher Rücken- und Deckelvergoldung, goldgeprägtem Deckelmonogramm "M.H. / 1769" sowie Goldschnitt und Buntpapiervorsätzen (fliegender Vorsatz entfernt). Qu.-8vo.

 12.500,00

Außerordentlich reich gefülltes Stammbuch des Theologen Matthias Harnwolf(f), der von 1783 bis zu seinem Tod 1809 Prediger in seiner Heimatgemeinde Agendorf (Ágfalva, Ungarn) war.

Wie sein Album eindrucksvoll belegt, ist Harnwolf viel gereist. Der erste Eintrag ist zugleich der prominenteste, stammt er doch von keinem Geringeren als Friedrich Nicolai, dem Hauptvertreter der Berliner Aufklärung, der dem jungen Theologen ein Zitat von Horaz ("Aequam memento rebus in arduis servare mentem") mit auf den Weg gibt (und dieses mit "1763" datiert). Weitere Einträge stammen überwiegend aus Harnwolfs Studienjahren in Leipzig und Jena (1769-73), darunter u. a. Johann Friedrich Bahrdt (Professor und Superintendent in Leipzig, 1713-75), Anton Friedrich Büsching (Theologe und Geograph, 1724-93), Joachim Georg Darjes (Pfarrer, Jurist, Philosoph und Ökonom, 1714-91), Johann August Ernesti (Rektor der Leipziger Thomasschule, 1707-81), Johann Ernst Faber (Professor der orientalischen Sprachen, 1745-74), Justus Christian Hennings (Moralphilosoph und Aufklärer, 1731-1815), Johann Friedrich Hirt (Theologe und Orientalist, 1719-83), Georg Friedrich Meier (Philosoph, 1718-77), Johann August Nösselt (Theologe, 1734-1807), August Friedrich Wilhelm Sack (Philosoph, Theologe und berühmter Kanzelredner, 1703-86), Georg Christoph Silberschlag (Naturwissenschaftler, 1731-90), Johann Joachim Spalding (Theologe, Kirchenlieddichter und Philosoph, 1714-1804), Lorenz Johann Daniel Suckow (Naturforscher, 1722-1801), Wilhelm Abraham Teller (Theologe, Kirchenlieddichter und Universitätsprofessor, 1734-1804), Johann August Heinrich Ulrich (Philosoph, 1746-1813), Karl Friedrich Walch (Rechtswissenschaftler, 1734-99), Johann Georg Walch (Theologe und Lexikograph, 1693-1775), Johann Ernst Immanuel Walch (Rhetoriker, Philologe und Geologe, 1725-78), Johann Ernst Basilius Wiedeburg (Physiker, Astronom und Mathematiker, 1733-89) und Friedrich Samuel Zickler (Theologe, 1721-79).

Neben mehrheitlich Wissenschaftlern, Theologen und Juristen findet sich auch ein Eintrag von einem entfernten Verwandten von Johann Sebastian Bach, nämlich Johann Georg Bach (1751-97), der als Jüngling ein Wort Shakespeares notiert ("Men's evil manners live in brass; their virtues we write in water", dat. Jena, 1772) und der einige Jahre später Organist an der Georgenkirche in Eisenach wurde, sowie ein Notenmanuskript von Johann Adolf Leutholff nach Klopstocks Gedicht "Die Auferstehung", das bis ins erste Drittel des 20. Jahrhunderts hinein in den meisten evangelischen Gesangbüchern als Kirchenlied enthalten war und insbesondere durch Mahlers Bearbeitung in seiner 2. Sinfonie weltweit bekannt wurde.

Zustand

Der Einband gering beschabt und bestoßen, eine Ecke angeplatzt; das Vordergelenk etwas gelockert; Bl. 1 mit späterem Besitzstempel (Ochsenkopf mit den Initialen MH), das Titelblatt mit kleinem Papierdurchbruch; durchgehend etwas fleckig und angestaubt, im Ganzen jedoch gut erhalten.

Art.-Nr.: BN#63099 Schlagwörter: ,