"Lassen Sie uns ja wo möglich verhindern, daß der Riß zwischen zwey verdienten jungen Leuten ... nicht unheilbar werde"

Goethe, Johann Wolfgang von, Dichter (1749-1832). Eigenh. Brief mit U.

W[eimar], 14. XI. 1804.

1½ SS. auf Doppelblatt. 4to. Wasserzeichen: J. Honig & Zoonen, Posthorn in gekröntem Schild. Von zeitgenöss. Hand mit "213" und "214" paginiert.

Auf Anfrage

An den nicht namentlich genannten Philologen Heinrich Karl Eichstädt (1771-1848): "Mit unserm lieben Professor Voß bin ich einig geworden beyliegendes als eine Antwort auf die Astische Erklärung vorzuschlagen. Finden Ew. Wohlgeb. etwas dabey zu erinnern, so wünschen wir es zu vernehmen. Lassen Sie uns ja wo möglich verhindern, daß der Riß zwischen zwey verdienten jungen Leuten, die in Einem Felde sich bemühen, nicht unheilbar werde. H. v. Humbold [!] hat mir nur unter Bedingung der Verschweigung seines Nahmens die Erlaubniß gegeben von Stellen seiner Briefe Gebrauch zu machen. Nächstens hoffe [ich] meine Schulden abzutragen, am sehnlichsten aber wünsche ich bald wieder einige stille Tage in Jena in Ihrer Nähe zu verleben. Der Fürst Bischoff von Oldenburg sagt man treffe heut bey uns ein, sobald ich es erfahre laß ich es wissen. Mag der theure Voß bey mir vorlieb nehmen, so findet er wenigstens ein ruhiger Stübchen als im Wirthshause [...]".

Die "Astische Erklärung" findet sich im "Intelligenzblatt der Jenaischen Allgemeinen Literaturzeitung" (Nr. 141, Spalte 1192) und bezieht sich auf Friedrich Asts "Erklärung und Anzeige", worin Ast einige Druckfehler in seiner Übersetzung von Sophokles' Trauerspielen anspricht und sich über "die Recension meiner Uebersetzung in dieser Literaturzeitung" äußert (abgedr. ebda, Nrn. 256 und 257). Das Goethes Brief (wie er überliefert ist) nicht mehr "Beyliegende" liest sich dort in der "Antwort des Recensenten" wie folgt: "Die leidenschaftlichen Ausdrücke vorstehender Erklärung sind der gekränkten Empfindlichkeit eines Autors zu verzeihen. Uebrigens ist zu wünschen, dass Hr. Ast dasjenige, was er verspricht und droht, bald leisten möge, da es denn an Gelegenheit nicht fehlen wird, das Weitere umständlich auszuführen".

Zustand

Das Gegenblatt mit feinen Nadelstichen von alter Heftung nahe der Bugfalte. Tadellos erhalten.

Literatur

Goethe-WA IV, Bd. 17, Nr. 4985.

Art.-Nr.: BN#64244