"Schließlich kann auch ein deutscher Componist, der noch dazu in der ganzen Welt aufgeführt wird, nicht nur von der guten Luft des Genfer See's leben"
Eigenh. Brief mit U.
3 SS. auf Doppelblatt. Kl.-4to.
€ 2.500,00
Ein Brief aus den schwierigen Schweizer Jahren an den befreundeten Architekten Eugen Antosch (1896-1974): "Besten Dank für [Ihren] Brief vom 15t., den ich sofort an meinen Sohn schickte u. teile gleichzeitig auch Ihnen mit, daß ich meines Wissens (ich bin seit Oktober 1945 in der Schweiz) bis dahin keine Steuern in Österreich, sondern alle meine Steuern in Deutschland (Garmisch) bezahlt habe. Da ich ab 45 keinerlei Einnahmen in Deutschland u. Österreich hatte, meine ausländischen Einnahmen bis zum 31. Januar 48 die englischen, noch immer alle amerikanischen etc. beschlagnahmt sind - weiß ich nicht, was mein Sohn in Garmisch ab 45 an Steuern bezahlt hat. Mir sind nur 35.000 S (Tantiemen der Firma Boosey u. Hawkes London) bekannt, die glaube ich vor 2 Jahren auf die österr. Creditanstalt eingezahlt wurden u. dort (wie man munkelte) auf Sperrkonto liegen sollen. Mehr weiß ich nicht. In der Schweiz habe ich jährlich 18.000 frcs. Einnahmen fatiert, bezahle sogar Wehrsteuer im Canton Aargau. Und habe 25.000 frcs. Schulden zurückzubezahlen [...] Wenn Herr Dr. Stöger, dem ich jetzt schon meinen wärmsten u. herzlichsten Dank für seine gütigen Bemühungen u. Maßnahmen für mein Wohl zu übermitteln bitte, in Washington für die Freigabe meiner rechtmäßigen Einnahmen wirken könnte? Schließlich kann auch ein deutscher Componist, der noch dazu in der ganzen Welt aufgeführt wird, nicht nur von der guten Luft des Genfer See's leben [...]".
Auf Briefpapier mit gedr. Briefkopf des Hotels Montreux-Palace. Im linken Rand gelocht (geringf. Buchstabenberührung); Bl. 1 mit einer kleinen Rostspur. Mit Zensurstempel.






