Schlesisches Stammbuch aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges
Stammbuch des Adolph Weißhahn.
8vo. (215) Bll. mit 88 Einträgen, davon 8 mit Wappenminiaturen, 2 mit Aquarellen. Blindgeprägter Lederband des 18. Jahrhunderts mit Spuren alter Schließbändchen. Dreiseitiger zisielierter Goldschnitt.
€ 18.000,00
Reichhaltiges Stammbuch eines protestantischen Wachtmeisters aus der Frühzeit des Dreißigjährigen Krieges mit zahlreichen Einträgen aus dem Zusammenhang des Kriegsverlaufs, darunter jener des Dichters Johannes Bocatius (1569-1621), verfasst im Feldlager bei Wessely in Mähren einen Monat vor seinem Tod.
Die zumeist adeligen Beiträger stammen zum Teil aus dem Umfeld der schlesischen Landstände, darunter Johann Christian Herzog zu Liegnitz (1591-1639), Calvinist und führender Kopf der schlesischen Stände, ebenso sein Bruder Georg Rudolf (1595-1653), der sein Nachfolger als Landeshauptmann von Schlesien werden sollte, sowie dessen Gattin Sophie Elisabeth von Anhalt-Dessau (1589-1622, Eintrag 1619). Die einzige weitere weibliche Beiträgerin ist Barbara Agnes von Liegnitz und Brieg (1593-1631, Eintrag 1619), eine Piastenprinzessin und ab 1620 Gattin des Hans Ulrich Schaffgotsch. Hübsche Wappenaquarelle begleiten die Einträge von Georg von Zedlitz, Bernhard von Burkersroda, Johann Georg Volkman, Jonas Schultze, Karl von Wolframsdorf, Georg Herstorf, Christoph von Haunold, und Melchior von Langenau.
Ferner sind vertreten die Bergwerksverwalter Felician von Herberstein d. J. und Henricus Lisbona, Caspar Schaffgotsch, Friedrich von Reder, Hans von Schellendorff, Siegfried von Pomnitz d. J., Hans Ernst von Miltitz, Christoph von Beeß, Melchior von Löeben, Balthasar von Stachel, Niklas von Betsch, Andreas Baumann, Christian von Warkotsch, Heinrich von Kottwitz, Sigmund Sommerfeld, Joachim Weinzierl, Bartholomäus Kirchner, und "Robert von Wadham Englander", sowie die Musiker Andreas Zimmermann und Johann Freisinger (Organist). An den letzten Eintrag schließen zwei Seiten aus dem Stammbuch des Johann Samuel Kühnen an (datiert 1706), was wohl auf eine Neubindung des Weißhahn-Stammbuchs im 18. Jahrhundert hindeutet.
Ein repräsentatives Zeugnis schlesisch-böhmischer Adelsnetzwerke und kriegsbedingter Mobilität in den frühen 1620er Jahren.
Der Einband fachmänniscch restauriert; Rücken erneuert. Innen papierbedingt durchgehend etwas gebräunt.














