Eigenh. Brief mit U. ("Goethe").
2 SS. auf Doppelblatt. 4to.
€ 35.000,00
Bedeutender Brief an Herzog Carl August in Berlin über den bevorstehenden Innenausbau des Weimarer Schlosses. Erwähnt außerdem die Genesung von seiner lebensbedrohlichen Gesichtsrose: "Möge dieser Brief, bester Fürst, Sie ganz hergestellt antreffen, damit Sie das an mancher Unterhaltung reiche Berlin recht genießen können. Die Gentzischen Zeichnungen, welche Graf Brühl überbracht hat, hebe ich auf bis zur Ankunft des Kondukteur Rabe. Den Quadratoren haben wir einstweilen in der oberen Etage nach dem Kegelthore zu, einige Decken und Gesimse in Arbeit gegeben, wozu uns Wolf die Zeichnungen geliefert hat. Auch sind die Stuccatoren beschäftigt, so daß keine Zeit versäumt wird. Die Nachricht, daß Prof. Genz [sic] ein halb Jahr bei uns bleiben wird, war mir sehr willkommen, denn auf solche Weise wird ganz allein eine sichere und schnelle Ausführung möglich, wenn die täglich vorkommenden Rätsel von dem Meister selbst gelöst werden. Was mich betrifft suche ich mich einer völligen Genesung immer mehr zu nähern und es scheint zu gelingen, das eintretende Frühjahr giebt die beste Hoffnung. Geschwulst und Mißfarbe des unteren Augenlieds haben sich noch nicht ganz verlohren. [Friedrich] Hartmann von Stuttgard [sic] ist angekommen. Sowohl sein früheres, in Rom verfertigtes großes Bild, als einige späte Zeichnungen, zeugen von dem vorzüglichen Talent dieses jungen Mannes. Frau von Grothausen werde ich nächstens schreiben und danken [...]".
Heinrich Gentz (1766-1811), einer der führenden Architekten des preußischen Klassizismus, für den Carl August persönlich eine Freistellung vom preußischen König erwirkte, hielt sich von Mai bis November 1801 in Weimar auf, um zusammen mit dem jungen Berliner Architekten Martin Friedrich Rabe den Umbau des Schlosses zu leiten. Im Januar 1801 war Goethe an einer lebensbedrohenden Gesichtsrose erkrankt. "Sein linkes Auge ist ihm wie eine große Nuss herausgetreten und läuft Blut und Materie heraus", schrieb Charlotte von Stein in einem Brief.
Sara Grotthuis (auch Grotthuß, geb. Meyer) war neben Henriette Herz, Rahel Varnhagen von Ense und Sophie Sander eine der bekanntesten Berliner Salonnièren des späten 18. und frühen 19. Jahrhunderts.
Auktionskat. Henrici, Slg. Kilian Steiner, Okt. 1921, Nr. 259.
Mit alten Montagespuren; am unteren Rand ein kleiner Ausriss.
WA-Nr. 04362.





