Zeitgenössische Portraits von Schiele, Klimt, Loos, Wagner, Otto Wagner, Schnitzler und Kraus

[Klimt, Gustav] - Geyling, Remigius, Maler und Bühnenbildner (1878-1974). Sammlung von 23 Portraitzeichnungen bzw. -karikaturen, alle "nach der Natur" gezeichnet und von Geyling eigenh. signiert, datiert und bezeichnet (oftmals auch unter Nennung des Ortes der Portraitsitzung). Beiliegend zwei eigenh. Schreiben Arthur Schnitzlers.

Wien, 1897-1935.

In späteren Jahren vom Künstler selbst auf Untersatzkartons einheitlichen Formats montiert und in zwei einfache Mappen eingelegt, die er jeweils mit den Namen der Dargestellten eigenhändig beschriftete. Die Blätter selbst von der Hand des Künstlers durchlaufend numeriert (1-24, die auf ein Kartonblatt montierten Schreiben Schnitzlers als Nr. 23) und mit der Bezeichnung der Portraitierten unter Hinzufügung ihrer Lebens- bzw. Sterbedaten versehen. Imp.-Folio.

 45.000,00

Das früheste Blatt datiert aus dem Jahr 1897, dem Gründungsjahr der Wiener Secession und der Kunstzeitschrift "Ver Sacrum". Für letztere hatte Geyling laut seiner eigenh. Beschriftung das vorliegende Portrait des secessionistischen Bildhauers Rudolf Bacher geschaffen. Ein Großteil der von ihm in den beiden Mappen versammelten Bilder entstand dann 1905, im Jahr nach der Schließung des von ihm gemeinsam mit Otto Prutscher betriebenen Ateliers für Einrichtungs- und Ausstattungsbedarf und zur Blütezeit der Wiener Werkstätte, für die Geyling u. a. Postkarten entwarf. "Obwohl Mitglied des konservativen Künstlerhauses, stand er trotzdem der Wiener Secession nahe" (AKL LII, 462). Für Geyling waren "Klimt, Hoffmann, Roller, Olbrich nicht nur meine Kollegen, sondern auch meine Freunde und wir haben viele, viele Nächte über die 'neue und reine Kunst' debattiert" (Remigius Geyling erzählt, aufgezeichnet von Gerald Szyszkowitz. In: Nebehay/Krug, SS. 5-8, hier 7). Diese Nächte boten offenbar zahlreiche Gelegenheiten für Geylings Portraitstudien: die vorliegende Sammlung enthält neben den Portraits der obengenannten auch ein Bild des oftmaligen Tivoli-Gastes Egon Schiele aus dessen Todesjahr sowie eine im Cafe Museum entstandene Portraitzeichnung von Adolf Loos. Am selben Ort wird Geyling wohl auch der von ihm so bezeichnete "Fackl-Kraus" Portrait gesessen haben. Ein besonders enges Verhältnis pflegte Geyling zu Gustav Klimt: er "gehörte viele Jahre lang zum Kreis derjenigen, die mit Klimt am Tivoli frühstückten" (Nebehay/Krug, S. 3). In dem legendären Restaurationsbetrieb am Grünen Berg in Meidling entstand im Mai 1905 dann auch das Blatt mit den beiden Portraits Klimts. Gemeinsam mit Peter Altenberg und Otto Wagner gehört Klimt zu den wenigen, die in den vorliegenden Mappen mit mehr als einer Portraitstudie (jeweils auf einem Blatt) vertreten sind. Es war die Empfehlung seines Freundes Klimt, die Geyling 1910 zur Anstellung als Ausstattungschef der "Neuen Wiener Bühnen" verhalf; die erste von ihm ausgestattete Inszenierung am Burgtheater war die Premiere von Schnitzlers "Das weite Land". Bei den Proben zu ebendieser Inszenierung, am 14. X. 1911, entstand auch die in vorliegender Sammlung überlieferte Portraitzeichnung des Dichters. Die zwei beiliegenden Schreiben Schnitzlers an Geyling betreffen u. a. das gemeinsame Projekt des "Medardusfilm", hatte sich Geyling doch um die Austattung der bedeutendsten österreichischen Filmproduktionen verdient gemacht. Seine Übertragung der "Stilmittel der Wiener Werkstätte in das historische Trauerspiel [war] so wirkungsvoll, daß 1924 Fritz Lang Geylings Entwürfe für den Stummfilm 'Nibelungen' verwendete" (AKL LII, 462).

Provenienz: Wiener Privatsammlung, in die der Künstler die beiden Mappen noch zu Lebzeiten verkaufte.

Die Nrn. 6-8 sowie 18, 21 und 22 der unten verlisteten Zeichnungen jeweils ganzseitig abgebildet in: Ch. M. Nebehay u. H. Krug (Hrsg.). Remigius Geyling. Künstler und Literaten. Gezeichnet in Wien um 1900. Wien 1974. (= Jahresgabe der Wiener Bibliophilengesellschaft). Die vorliegende Sammlung dort nicht beschrieben; alle übrigen Zeichnungen unveröffentlicht.