Melanchthon, Philipp, Humanist und Reformator (1497-1560). Eigenh. Brief mit U. ("Philippus").

[Wittenberg, 19. III.] 1530.

1 S. Folio. Mit eh. Adresse (Faltbrief) und Siegelspur.

 28.000,00

An Johannes Weber, den Pfarrer zu Neustadt an der Orla, den er für dessen Entscheidung in einer Ehesache lobt und dem er weitergehenden Rat erteilt: Die Ehe des Georg [Jüngkling] mit [Else Moser] sei ungültig und er müsse sich von ihr trennen, solange das Schicksal von deren erstem Mann noch ungeklärt sei. Allerdings dürfe Jüngkling vorläufig keine neue Ehe eingehen und er solle die Frau zurück bekommen, falls der erste Mann gestorben sei. "S[alutem] D[ico] | Bene facis, quod con[s]tanter attingis controversias matrimoniales. De negocio d. georgii sic sencio[:] Quod illud matrimonium contractum, cum mulier incerta esset de vita, ac voluntate viri prioris, qui ipsa consenciente abiit, sit irritum. Est igitur liber georgius. Sed movet me scandali racio, ne statim concedam ei ducere aliam uxorem. Agendum prius est per magistratus, cum illa muliere, aut per nos cum amicis mulieris, ut res exploretur de vita prioris mariti certo. Si ipsa mulier volet abire ad priorem maritum, non detineas eam, quia hoc secundum coniugium non est iure contractum. Habes meam sentenciam, quam te rogo, ut ita modereris, ne plus offensionum ex hac re oriatur [...] Prohibebis etiam, ne georgius et illa mulier, re inexplorata, redeant ad se mutuo. Sed si consentit virum esse mortuum, scandali caussa, velim georgium hanc mulierem re[tin]ere".

Zum Hintergrund vgl. Luthers Briefwechsel V, Anm. zu Nr. 1494: Else Moser war mit dem Büchsenmeister Hieronymus Malter verheiratet gewesen, der in Diensten König Ludwigs gekämpft hatte und 1526 in der Schlacht bei Mohács in türkische Gefangenschaft geraten war. Ein Brief Malters, in dem er seine Frau auffordert, zu ihm ins Gefangenenlager in Ungarn zu kommen, traf erst 1529 ein, kurz nachdem diese eine neue Ehe mit dem Pfarrer Georg Jüngkling eingegangen war. Zu klären war nun, ob der erste Ehemann noch lebe.

Etwas angestaubt und mit Randläsuren; kleine Einrisse in den Faltungen alt hinterlegt.

Melanchthons Briefwechsel (hg. v. H. Scheible), Bd. IV (Stuttgart 2007), S. 878.

Art.-Nr.: BN#26552 Schlagwörter: , ,