Zwölf Miniaturen eines Tiroler Meisters

[Innsbrucker Ursulinenkloster]. Officium Beatae Mariae Virg. extra Advent. ad vesp.

Innsbruck, um 1750.

Lateinische Handschrift in schwarz und rot auf festem Papier. (2), XIII, 117, (5) SS. (und einige weiße Bll.). Mit 12 ganzseitigen lavierten und aufmontierten Tuschzeichnungen. Durchgehend regliert und mit schwarz-rotem Rahmen um Text und Bilder. Hellbraunes Kalbsleder der Zeit mit reicher Rücken- und Deckelvergoldung. Brokatpapiervorsätze. Dreiseitiger Goldschnitt. Kl.-Folio (242 x 304 mm).

 12.000,00

Illustriertes Stundenbuch des Spätbarock in sauberer und gleichmäßiger, doch unprätentiöser, kaum kalligraphierter Schrift, dessen Besonderheit neben der prachtvollen Bindung ein qualitätvoller mariologischer Bilderzyklus ist. Die lavierten Tuschezeichnungen erweisen sich in Komposition und Figurenbehandlung als Werk eines routinierten Malers, der stilistisch auf der Höhe der Zeit stand (auch in der gelegentlichen dezenten Verwendung von Rocaillen). Vor allem der Figurenstil mit gewisser Eleganz bei nur gelegentlich derbem Einschlag sowie die feine Gestaltung der Landschaft und der Details von Gewändern und Interieurs lassen auf einen der bedeutenderen Tiroler Maler in der Mitte des 18. Jahrhunderts schließen. Die charakteristischen Gesichter mit den betonten Augenpartien sind der Art des Joseph Adam Ritter von Mölk (1718-94) bzw. seines nahen Umkreises so verwandt, daß eine Zuschreibung vertretbar scheint.

Die Anordnung der Bilder folgt dem liturgischen Jahreskreis. Der Zyklus umfaßt: I. Beweinung Christi unter dem Kreuz (mit Maria als schmerzhafter Muttergottes mit Dolch im Herzen). II. Maria als himmlische Fürsprecherin, von Putten umgeben, die kleine Tafeln mit Texten (Fürbitten) aus der Allerheiligenlitanei tragen. III. Maria als Immakulata mit der Trinität und drei Vertretern geistlicher Orden (ein Malteserritter und zwei Mönche als Schreiber, alle mit marianischen Zitaten bzw. Aussagen über die unbefleckte Empfängnis). Ein am linken Bildrand stehender Adeliger kommt als Stifterfigur in Frage (was den prächtigen Einband erklären könnte). IV. Tempelgang Mariens. V. Vermählung Mariens. VI. Heimsuchung. VII. Mariae Himmelfahrt. VIII. Verkündigung. IX. Darbringung Jesu im Tempel. X. Kreuzigung Christi (ikonographische Besonderheit: zwei Engel bringen am Kreuzesstamm ein Schild an, auf dem zu lesen ist "10.000 Tal:"). XI. Der Hl. Michael bewacht die Seelen im Fegefeuer, mit vier alttestamentlichen, typologischen Nebenszenen in Rocaillekartuschen.

XII. Maria als Fürbitterin der Sterbenden.

Laut datiertem Besitzvermerk am Anfang gehörte die Handschrift dem Ursulinenkloster in Innsbruck ("Soc. Stae. Ursulae oenipontani 1751"), für das sie wohl auch entstanden ist. Die barocke Ausstattung des 1691 gegründeten Klosters und seiner Kirche ist im 19. Jahrhundert vollständig verlorengegangen.

Der prachtvolle Einband mit doppelter Deckelbordüre und Eckfleurons sowie Brokatpapiervorsätzen (große geschwungene Ranken mit Blüten und Blättern vor rotgoldenem Grund). Praktisch makellose Handschrift.

Art.-Nr.: BN#30557 Schlagwörter: , ,