Wagner, Richard, Komponist (1813-1883). Eigenh. Brief mit U.

Starnberg, 25. VI. 1864.

5 SS. auf 3 Bll. Gr.-8vo. Mit eh. adr. Kuvert mit gepr. Absenderemblem und Initialen verso.

 35.000,00

Bedeutender und umfangreicher Brief an Josephine Maier, die Mutter seiner engen Freundin Mathilde Maier; die vielzitierte Aufforderung Wagners an Mathilde mit ihm zusammenzuleben, pro forma an die Mutter gerichtet: "Liebe theure Freundin! Nur Jemand, dem ich bereits soviel Liebe und wahre Hingebung zu danken habe, als Ihnen, kann ich wagen, eine Frage und Bitte an das Herz zu legen, wie ich es heute Ihnen thun muss.

Ich muss mich jetzt entscheiden, wie ich es anfangen soll, fernerhin mein Haus mir soweit erträglich zu machen, dass die erlangte schöne Sicherung meiner äusseren Lage mir auch zu innerem Gedeihen gerathe. Sie wissen, ich lebe von meiner Frau getrennt: das Bedürfniss, einem weiblichen Wesen meinen Hausstand zu übergeben, ist neuerdings wieder so stark in mir geworden, dass ich ernstlich wieder in Ueberlegung zog, ob es nicht besser sei, lieber, als allein zu stehen, meine Frau wieder zu mir zu berufen. Nur die aus langer Erfahrung gewonnene, und durch die Wahrnehmung aller meiner Freunde und Verwandte verstärkte Ueberzeugung, dass aus einer Wiedervereinigung für Jeden von uns ein weit unerträglicherer Zustand entstehen würde, als die Trennung ist, hat mich gänzlich wieder davon abbringen müssen [...]".

Obwohl an ihre Mutter adressiert, sandte Wagner diesen mehr als bemerkenswerten Brief direkt an Mathilde Maier, die das Schreiben nach Kenntnisnahme des Inhalts jedoch nicht an ihre Mutter weitergab und Wagners Angebot in der Folge ablehnte, ihm aber zeitlebens freundschaftlich verbunden blieb.

Der Brief zuletzt vollständig gedruckt bei M. Dürrer (Hg.), Richard Wagner. Sämtliche Briefe, Bd. 16. Briefe des Jahres 1864, Wiesbaden/Leipzig/Paris 2006, Nr. 204, S. 245ff., Kommentar S. 599 mit Hinweisen zu den früheren Ausgaben.

Art.-Nr.: BN#33769 Schlagwort: