Das Gründungsdokument der ersten Kaltwasser-Heilanstalt Österreichs

Maria Theresia, Erzherzogin, Königin von Ungarn und Böhmen, Kaiserin (1717-1780). Urkunde mit eigenh. U.

Wien, 9. IX. 1780.

Ca. 720:560 mm (bei ausgefalteter Plica). Tinte auf Pergament, 2-fl-Stempel.

 2.500,00

Nur Monate vor ihrem Tod ausgestelltes zwanzigjähriges Privilegium für den Mediziner Pasquale Joseph Ferro (1753-1809) "zu Erricht- und Erbauung des nach dem beygebrachten Risse an der Seite der Brigittenau angetragenen kalten Baades", welches "der menschlichen Gesundheit sehr nutzlich" sein und "dem Publico in sehr vielen kränklichen Umständen zum grossen Nutzen" gereichen solle. Der aus Bonn gebürtige Ferro, ausgebildeter Wundarzt und langjähriger pfälzischer Feldscher, studierte anschließend in Heidelberg, Straßburg und Wien Medizin. 1777 promoviert, stieg er rasch zum Mitarbeiter Anton v. Störcks auf; später wurde er Stadtphysikus Wiens und machte sich mit Reformen in der Santitätsverwaltung verdient. "Als therapeutisch innovativ ist seine 1780 erfolgte Einführung der Kaltwasserbehandlung sowie der Sauerstofftherapie in Wien zu beurteilen" (Czeike II, 284). Sein Anfang Mai 1781 eröffnetes Kaltwasserbad "Am Tabor", dem die kaiserlichen Leibärzte van Swieten und Störck mit großer Skepsis begegneten, befand sich an einem Donauarm bei der hinteren Türe des Augartens; es wies schwimmende Hütten sowie Badekörbe für sog. "Sturzbäder" auf. Ein Bad kostete 40 Kreuzer. Am 26. 5. 1781 inserierte Ferro in der Wiener Zeitung (Nr. 42, S. 11) seine "neu eingerichtete[n] englische[n] Bäder", die über eine stets offengehaltene Augartentür bequem zugänglich seien und für die auch Abonnements und Vorverkaufskarten erhältlich waren. Obwohl freilich nicht gänzlich ohne Vorläufer - schon 1717 hatte der Chirurg Zehmayer in der Leopoldstadt die erste Kaltwasserbadeanstalt (das Schüttelbad) eröffnet -, begründete Ferro mit diesem Bad die eigentliche Wasserheilkunde in Österreich.

Etwas angestaubt. Gegenzeichnungen von Heinrich Gf. Blümegen und Josef Gf. Auersperg sowie Johann Wenzel von Margelick; verso Vermerk des Registrators Mariophilus von Leißner. Drei Löcher für die Kordel; es fehlt das Siegel. Gefaltet.

Art.-Nr.: BN#35820 Schlagwörter: , ,