Wedel, Georg Wolfgang. Opiologia ad mentem academiae naturae curiosorum.

Jena, Samuel Krebs' Wwe. für Johann Bielcke, 1682.

(16), 170, (20) SS., l. w. Bl. Mit gest. Vignette am rot-schwarz gedruckten Titel. (Dabei:) Ettmüller, Michael. De virtute opii diaphoretica dissertatio. Leipzig & Jena, Krebs für Bielcke, [1682]. 48 SS. Marmorierter Halbpergamentband der Zeit. Dreiseitiger Farbschnitt. 4to.

 4.500,00

Zweite Ausgabe dieser frühen Monographie über die pharmakologischen und therapeutischen Aspekte des Opiums. "The main text is a reissue of the 1674 edition" (Krivatsy). Wedel wertet nicht nur die medizinische Literatur aus, sondern auch alle ihm erreichbaren Reiseberichte. Im Kapitel "An aphrodisiacum sit opium & mulierem excitet?" werden unterschiedliche Meinungen referiert, z. B. aus Saars ostindischem Reisebericht das Kapitel über den Gebrauch des Opiums bei den batavischen Huren, aber auch die gegenteilige Erfahrung aus Garcia, daß Opium nämlich steril mache (S. 128f.). Die Titelvignette zeigt einen Türken bei der Opiumernte: Er ritzt mit dem Messer die Mohnkapsel auf und fängt den austretenden Saft auf. Als Anhang im Erstdruck beigegeben ist die Wedel gewidmete Dissertation von dessen Kollegen Michael Ettmüller (gest. 1683) über die Eigenschaften des Opiums.

G. W. Wedel (1645-1721) war einer der bedeutendsten Mediziner seiner Zeit, Verfasser von 49 Büchern und Lehrer der Hallenser Reformmediziner Hoffmann und Stahl. Einer seiner bekanntesten Aussprüche ist überzeitlich: "Die Medizin ist nichts anderes als die ständige Erneuerung der Unwissenheit." Die "Opiologia" schrieb er für die Aufnahme an die Akademie der Naturforscher, die noch heute bestehende "Leopoldina". "Wedel stood midway between medieval and modern world views, defending astrology and alchemy and championing iatrochemistry" (DSB XIV, 212). "Wedel appears to have been one of the first to employ the word physiology in its present restricted sense" (Thorndike VIII, s. v.).

Gleichmäßig schwach gebräunt; der Einband gering berieben; im ganzen schönes Exemplar.

Literatur

VD 17, 12:166680Q. Krivatsy 12664. Pritzel 10054. Ferchl 570. Hirsch/H. V, 875.