Trouflaut, Gilbert, Organist und Musikforscher (1726-1820). Sammelband mit 4 Werken aus seiner Bibliothek, durchwegs mit seinen ausführlichen eigenh. Marginalien und Kommentaren, sowie dazwischengeheftet 2 an ihn gerichtete eigenh. Briefe mit U. des Musikforschers Pierre-Joseph Roussier (1716-1792).

Paris und o. O., 1764-1770 (Drucke) bzw. 1773-1776 (Autographen).

I: Ballière [de Laisement, Charles Louis Denis]. Théorie de la musique. Paris, Didot 1764. (2), VIII, 177, (3) SS. Mit Falttabelle im Typendruck und 5 gest. Falttafeln.

II: [Le Dran, Nicolas Louis]. Sur les signes do, di, ca. Pour l'indication des accords en musique. Paris, Alexandre Le Prieur 1765. (2), 32 SS. Mit gest. Vortitel, Falttabelle im Typendruck und 9 gest. Notentafeln.

III: Roussier, [Pierre-Joseph]. Mémoire sur la musique des anciens [...]. Paris, Lacombe 1770. (4), XXIV, 252 SS. Mit einer Falttabelle, einer gest. Notentafel und einem Textkupfer.

IV: Ders. Pseaume CL. Petit motet. Paris, Gando & Fils, 1766. Titel, (3) SS. Notendruck. Späterer Lederband im Stil der Zeit mit goldgepr. Rücken und Marmorvorsätzen. Gr.-4to. Beigebunden 2 eigenh. Briefe Roussiers: Ecouis, 5. II. 1773. 2 SS., sowie Ecouis, 17. IX. 1776. 3 SS.; jeweils Faltbriefe auf Doppelblatt (4to) mit eigenh. Adresse an Trouflaut.

 9.500,00

Unikale, in ihren genauen und häufig sehr umfangreichen handschriftlichen Annotationen bislang unausgewertete musiktheoretische Literatursammlung nebst unveröffentlichter Gelehrtenkorrespondenz von Gilbert Trouflaut, Priester und Kanonikus zu Nevers. Der langjährige Organist an der Kathedrale Saint-Cyr, der auch als Gutachter für das Instrument herangezogen wurde, trat außerdem als Naturforscher hervor: Er botanisierte mit Jean-Jacques Rousseau und schuf den botanischen Garten von Nevers, wo er auch an der École centrale lehrte. Eitner (IX, 464; dort falsch: "Trouffaut") zitiert seine Abhandlung "Sur les Clavecins en peau de duffle" im Journal de musique (1773). Die enthaltenen Werke im einzelnen sind: I) Die "Théorie de la musique" von C. L. Ballière de Laisement (1729-1800), eines vielseitigen Gelehrten, "der im eifrigen Verkehr mit J. J. Rousseau, d'Alembert, Diderot und Voltaire stand [und] einige Textbücher zu komischen Opern schrieb" (Eitner). Seine Theorie der Musik ist "auf die Töne des Horns und der Trompete begründet" und wurde "durch Jamard und Sorge wieder aufgenommen" (ebda.). Am Titel Trouflauts eigenh. Besitzvermerk von 1772; mehrere Anstreichungen und Lesenotizen, im Rand von S. 71 eine annotierte Tonleiter.

II) Das theoretische Hauptwerk des Pariser Musikers N. L. Le Dran, "welches eine andere Bezeichnung der Akkorde in der Generalbasslehre bezweckte" (Eitner). Wie das Werk Ballières wurde es von J. B. de Laborde heftig angegriffen. Am Titel Trouflauts eigenh. Besitzvermerk von 1772; einige Textkorrekturen von seiner Hand.

III) Ein theoretisches Hauptwerk des aus Marseille gebürtigen Abbé Roussier (1716-92), "im Fache der Musik [...] Autodidakt und der Richtung Rameau's geneigt" (Eitner). "[Particularly in the 'Mémoire sur la musique des anciens' he] also dealt with problems of musical temperament, [rejecting] contemporary systems in favour of a Pythagorean tuning" (New Grove). Geschenkexemplar des Verfassers mit entsprechendem eigenh. Vermerk Trouflauts sowie seinem Besitzvermerk am Titel (dat. 1772). Mehrere teils umfangreiche Annotationen und Marginalien, dazu ferner die beiden eigenhändigen Briefe Roussiers an Trouflaut, die der "Memoire" vorgebunden sind.

IV) Am Schluss eine von zwei bekannten Kompositionen Roussiers, eine Motette auf Psalm 150 ("Laudate Dominum in sanctis ejus"). Geschenkexemplar des Verfassers mit entsprechendem eigenh. Vermerk Trouflauts am Titel. Auf die unbedruckte Titelrückseite, die fast vollständig von Trouflauts Notizen eingenommen wird, hat dieser außerdem zwei gedruckte Notenzeilen aus "L'art du facteur d'orgues" von Don Bedos de Celles aufmontiert.

Der ganze Band im Rand und Bug durchgehend etwas wasserrandig; die "Mémoire sur la musique des anciens" gegen Schluss, der "Pseaume CL" durchgehend stärker fleckig und in der Lesbarkeit beeinträchtigt. Obwohl die Zusammenstellung der Werke zweifellos auf Trouflaut selbst zurückgeht, war dessen ursprünglicher Einband offenbar so stark in Mitleidenschaft gezogen, dass er im frühen 20. Jahrhundert durch einen anderen im Stil der Zeit ersetzt wurde. Am vorderen Vorsatz, der fast völlig mit Trouflauts Notaten zu den musiktheoretischen Auffassungen des M. Guignet (maître de musique de la cathédrale de Nevers) beschrieben ist, findet sich noch sein Bindevermerk ("1# de relieure pour cet in 4° chez Tiger derrière la fontaine St. Benoit, place Cambray a côte de la porte cochere du college de Cambray"). Das Exlibris des letzten Besitzers vor der Neubindung (Dominique-Augustin Dufêtre [1796-1860], ab 1842 Bischof von Nevers) am vorderen Innendeckel wiedereinmontiert.

I: New Grove II, 94. Eitner I, 320.

II: Eitner VI, 105.

III: New Grove XVI, 277. Eitner VIII, 339. Hirsch I, 528.

IV: New Grove XVI, 277.

Art.-Nr.: BN#47543 Schlagwörter: ,