Bismarck, Zar Alexander, Kaiser Franz Josef und Kaiserin Elisabeth am Hof Napoleons III.

Album amicorum der Clothilde de la Rochelambert, comtesse de La Bédoyère (1829-1884) mit zahlreichen Eintragungen von Mitgliedern des europäischen Hochadels.

Fontainebleau, Saint-Cloud, Compiègne, Paris, Nizza, Biarritz, Bad Kissingen, Schwalbach, Baden, 1864-1881.

34 teils beidseitig beschriebene (uneinheitlich numerierte) Bll. mit über 250 (vereinzelt einmontierten) Eintragungen. Roter Maroquinband mit goldgepr. Bordüre und Deckelprägung in Anlehnung an das Wappen der Könige von Sardinien. Seidenpapiervorsätze und Goldschnitt. 4to.

 25.000,00

Ausnehmend reichhaltiges Stammbuch der Comtesse de La Bédoyère, Tochter des Senators Henri de La Rochelambert (1789-1863), Gattin von Georges Huchet de La Bédoyère (1814-67) und Palastdame von Kaiserin Eugénie, der Gattin Napoleons III. Derselbe eröffnet auch das Stammbuch mit einer kleinen Eintragung, der auf derselben Seite Eugénie mit einem Zitat aus Sophie d'Arbouvilles Gedicht "Je crois" folgt: "Je crois au Souvenir, au long regret du cœur, / Regret que l'on bénit comme un dernier bonheur, / Crépuscule d'amour, triste après la lumière / Mais plus brillant encore que le jour de la terre!" Gleich anschließend folgt die Unterschrift von ihrer beiden einzigem Sohn, dem damals achtjährigen Napoléon Eugène Louis; die Seite schließt mit einem vierzeiligen Zitat von Schiller, das Napoléon III. auf Deutsch am 8. X. 1865 in Biarritz hinzufügt. Ein weiterer Eintrag von Eugénie findet sich auf Bl. 27r, wiederholte Einträge ihres Sohnes finden sich auf Bl. 21r (montiert) und 27r (dort auch mit einer kleinen Federzeichnung).

Zwei weitere bemerkenswerte Eintragungen finden sich auf den Seiten 21v und 23v: Die erste stammt von Bismarck, der sich in Biarritz unter dem 19. Oktober 1865 eintrug, also in jenem Monat, in dem geheime Verhandlungen von Preußen und Frankreich über mögliche Koalitionen (französische Interventionen oder Neutralität) im Vorfeld des Deutschen Krieges von 1866 zwischen dem Deutschen Bund und Preußen begonnen hatten. Bismarck hingegen erweckte gegenüber seinem französischen Kontrahenten den Eindruck, Preußen werde als Gegenleistung für französisches Stillhalten während des Deutschen Kriegs hinnehmen, dass Frankreich sich Teile Belgiens und Luxemburgs aneigne. Die zweite, etwa zur selben Zeit entstandene Eintragung stammt von Leopold Fürst von Hohenzollern und seiner Gattin Antonia (Bl. 23v). Leopold gilt als Schachfigur der großen Politik seiner Zeit. 1870 sollte Bismarck ihn dazu drängen, sich als Anwärter für die damalige spanische Thronfolge zur Verfügung zu stellen, was von Napoléon III. jedoch abgelehnt wurde. Obwohl Leopold schlussends von seiner Kandidatur zurücktrat, sollte dies der Funke sein, an dem sich der Deutsch-Französische Krieg entzünden sollte.

Unter den zahlreichen anderen Beiträgern finden sich: Alexander II. von Russland (9r); Amadeus I. von Spanien (16r); Isabella II. von Spanien und ihre Kinder Isabella und Alfons (17r); Sophie Königin der Niederlande (8r); Kaiser Franz Joseph I. und Gattin Elisabeth (14r [montiert]) sowie Elisabeths Hofdame Karoline Gräfin Hunyady (12v); Friedrich Großherzog von Baden und Gattin Luise (9a [montiert]); Marie Prinzessin von Baden und Duchess of Hamilton (10r); Karl König von Württemberg und Gattin Olga (37r); Friedrich Prinz von Dänemark (24r [montiert]); Umberto I. von Italien (7r); Marie Clotilde von Savoyen (die Gattin von Prinz Napoléon, 7r); Großfürstin Marija Nikolajewna von Russland (27v); Großherzog Carl Alexander von Sachsen-Weimar-Eisenach und Gattin Sophie Prinzessin der Niederlande (22r); Ludwig I. von Portugal und Gattin Maria Pia von Savoyen (19v); Friedrich Großherzog von Mecklenburg (13r und 17r [montiert]); Georg Herzog zu Mecklenburg und Gattin Katharina Großfürstin von Russland (18r); Marie Großherzogin von Mecklenburg-Strelitz (4v); Adolf Herzog von Nassau (9r und 14v); Pauline Fürstin von Metternich (2v, 8v, 14v zusammen mit ihrer Tochter Sophie und ihrer Tante Hermine, 31r [montiert] zusammen mit ihren Töchtern Sophie, Antoinette Pascalina und Klementine Marie sowie Rosa Gräfin von Hohenlohe-Sternberg); Richard Fürst von Metternich (9r); Wilhelm I. von Preußen und Gattin Augusta (10r); Franz Graf Harrach (4v); Joseph Joachim Napoleon Murat (2r und 20v); Generalfeldmarschall Friedrich von Wrangel (7v); Herzogin von Castiglione Colonna (bekannt als Bildhauerin unter dem Namen Marcello, geb. Adèle d'Affry, 3v); Mélanie Renouard de Bussière Comtesse de Pourtalès (14v); Admiral Edmond Jurien de La Gravière (vierzeiliges Gedicht mit U., 9v); Admiral Wilhelm von Tegetthoff (28v); Gustav Fürst Blücher von Wahlstatt (9v, geb. 11. X. 1837, Ehrenritter des Malteserordens); der mexikanische Monarchist und Botschafter am Hof von Napoleon III. José Manuel Hidalgo y Esnaurrízar (3v); der Philosoph Elme Marie Caro (dreizeiliges Gedicht, 11r); der Politiker und Ökonom Félix Esquirou de Parieu (ein knapp ganzseitiges galantes Gedicht, 10v und 11r); der Maler und Graphiker Gustave Doré (mit sauber ausgeführter Handzeichnung, 11r); die Schriftsteller Hortense Cornu (7v), Edmond About (28r) und Prosper Mérimée (19r und 20v); Prinzessin Alexandrine Dolgorouky (1834-1913, die Geliebte des Zaren, 2v mit einem zweizeiligen Gedicht Byrons); Ignacio Álvarez de Toledo y Palafox Portocarrero, Conte di Sclafani (Sohn des 16. Duque de Medina Sidonia, 1812-78, ganzseitiges Sonett 22v); Alexandre Graf von Colonna-Walewski (14v; daneben möglicherweise seine zweite Gattin Anna Maria Ricci, die Tochter von Graf Zanobi di Ricci und Isabelle geb. Prinzessin Poniatowska, die hier mit "Maria Walewski(y)" unterzeichnet).

Der letzte Beitrag in dem Album ist eine photographische Reproduktion von F. X. Winterhalters bekanntem Portrait von Kaiserin Eugénie.

Der Einband leicht berieben, innen stellenweise gering fleckig; insgesamt von hervorragender Erhaltung.

Art.-Nr.: BN#48432 Schlagwort: