A practical collection of instructions for dyeing, gilding, soldering, and pigment preparation

[Kunstbüchlein]. Kunstbüechlein Gerechten grüntlichen gebrauchs aller kunstbaren Werckleut. Von Ertzarbait, in unnd ausserhalb feuers, auß alchimistischem und natürlichem grunt, nemlich, Herten, Weichen, Schmeltzen, Schaiden, abtreiben, Probiern, Löten, Aetzen, abformen, abgiessen etc., Jede farben zuberaiten, erhalten, bessern und wider bringen, als zum malln, schreiben, Illuminiern, Vergulden, Stickhen, Edelgestain etc.

[Deutschland], 1557.

Deutsche Handschrift auf Papier: deutsche Kursive in roter und brauner Tinte von zwei Händen. (4) Bll., 1 w. Bl., 87 (statt 92) num. Bll. (fehlen Bll. 2, 7, 37-40), (38) Bll. (fehlen vermutlich 10 Bll.). Zus. 130 (statt 148?) Bll. Blindgepr. Lederband der Zeit. 4to (155 x 205 mm).

Zeitgenössische, gegenüber dem Druck wesentlich erweiterte Abschrift des erstmals 1531 unter dem Titel "Rechter Gebrauch der Alchimie" erschienenen Werks. Im 19. Jahrhundert Georg Agricola zugeschrieben, wurde es schon bald unter dem hier gebrauchten Titel "Künstbuechlin gerechtten gründtlichen gebrauchs aller kunstbaren Werckleüt" wiederaufgelegt und zum "Vorläufer vieler Nachfolger" (Brüning). "The contents are purely practical and consist of chemical receipts for everyday wants and have nothing to do with alchemy strictly so called. In fact the title affords an early use of the word alchemical in the later wider sense of chemical. The substances employed are common and the operations are such as would be familiar to various classes of artists and workmen" (Ferguson). Vorliegend gegenüber den Druckfassungen von anscheinend zwei verschiedenen Bearbeitern bedeutend erweitert, behandelt die Handschrift alchimistische und kunsthandwerkliche Themen wie Farben und deren Anwendung, etwa das Färben von Edelmetallen, Löten, das Arbeiten mit Schwefel, Oleum etc. "Diese kleinen technischen Handbücher waren für Berg- und Hüttenmann, für Münzbeamte, Goldschmiede und Handwerker bestimmt. Besonders die Probir- und Kunstbüchlein, mit ihren Rezepten für Metallprüfung und -scheidung, für Herstellung von Legierungen, und auch für die von Farben, Tinten und dergleichen, waren für das Handwerk und auch für die Buchkunst wichtig" (Darmstädter 12).

Am Titel verso findet sich wie im Druck die Liste "Caracter und Namen der Metall" mit ihren jeweiligen Symbolen, sodann "Etlich verlateinet alchimistische Worter". Schon hiernach folgen mehrere eingeschaltete Seiten mit ganz neuem Material: Teils recht flüchtig geschrieben, behandeln sie überwiegend Fixierungstechniken für Metallpulver. Es folgen Färbetechniken für Textilien, Federn, Pergament; Verfahren zur Herstellung von Goldfarbe und -tinte; zur Hinterlegung von Glas mit Gold; zur Herstellung und richtigen Temperierung von Lasuren; zur Herstellung von braunen, purpurnen, blauen und anderen Pigmenten; umfangreich zur Vergoldung und Versilberung von Kupfergeschmeide; zur Herstellung von Boraxsalz als Flussmittel zum Schweißen; ferner eine Darstellung von chemischen Verfahren wie der Purgierung von Schwefel oder der Sublimierung von Quecksilber.

Ist der klassische Umfang des gedruckten "Kunstbüchleins" in der vorliegenden Handschrift schon auf Blatt 58 abgedeckt, so folgen - zuerst von derselben, dann von anderer Schreiberhand - auf über 140 Seiten noch eine große Zahl weiterer Rezepte und Verfahren, inhaltlich teils angelehnt an andere zeitgenössische Probierbücher, doch keiner eindeutigen Quelle zuordenbar und anscheinend vor allem der Werkstattpraxis entsprungen. Diese Teile besprechen etwa die Beseitigung des "Spießglas" (Antimon), die Probe eines Erzes auf enthaltenes Metall, und etliche Probierverfahren; ferner das "Kupfergern" ("Kupfer garen") und Techniken des Ofenbaus ("Saigerofn", "Terrofn", "Pachofn").

Unterschiedlich fingerfleckig; erste und letzte Bll. mit kl. Feuchtigkeitsschäden und Randläsuren (teils mit geringem Textverlust), Titel mit mehreren Löchlein ohne Textverlust und fast lose; das letzte Bl. lose; 12 Bll. vom Buchblock gelöst. Buchblock mehrmals gebrochen. Einband bestoßen und wurmstichig, Kapitale mit Fehlstellen, Rückdeckel mittig mit großem Ausschnitt des Bezuges (fehlt Supralibros?).

Vgl. VD 16, R 492; IA 101.543; Brüning I, 169 (Ausg. Köln 1531); R 493 (Ausg. Augsburg 1535); R 495; Slg. Freytag 1301 (Ausg. 1537); Darmstädter 82 (Ausg. 1549). Ferguson II, 246. William Eamon, Science and the Secrets of Nature: Books of Secrets in Medieval and Early Modern Culture (Princeton UP, 1994), SS. 112ff.