Zeichnungen von der Wiener Weltausstellung 1873

[Wiener Weltausstellung 1873. - Hock, Johann Nepomuk, Militärmusiker und Zeichenamateur (1850-1930)? - zugeschr.]. Eigenh. Skizzenbuch und Reisejournal.

Wien sowie St. Pölten, Semmering, Salzburg, München u. a. O., 4. IX. - 23. XII. 1873.

12mo (85 x 130 mm). 102 Bll., davon 59 SS. mit Bleistiftzeichnungen und -skizzen (44 Aquarelle, einschließlich mehrere doppelseitige) sowie 35 SS. Notizen; die letzten 39 Bll. leer. In der hinteren Deckeltasche 10 Omnibus- und Tramway-Fahrkarten, davon 5 zur Wiener Weltausstellung 1873. Grüner Leineneinband mit Deckelband, Stifthalter und originalem Bleistift. In etwas späterer, größerer marmorierter Halbleinenkassette (105 x 160 mm).

 2.800,00

Charmantes, hauptsächlich über den September 1873 geführtes kleines Tagebuch eines Besuchers der Wiener Weltausstellung mit Reisenotizen und Dutzenden höchst kunstfertig ausgeführten aquarellierten Bleistiftzeichnungen.

Das Diarium sowie die oft datierten Illustrationen lassen die Stationen des anonymen Touristen beginnend mit seiner Anreise über St. Pölten ("auf dem Perron ½ 9 Morg. ... 4.9.73") und seiner Einquartierung im Hotel Zillinger in der Wiedner Hauptstr. 25 nachvollziehen. Hervorzuheben sind die Ansichten der Rotunde, der Ägyptischen Baugruppe mit Japanischem Garten sowie des Wigwams. Beim Ausstellungsbesuch am 6. September ist der Künstler beim Skizzieren eines Interieurs (im Kaiserpavillon?) anscheinend von einer Wache "als guter Freund" verwarnt worden: "sie dürfen nicht zeichnen, wenn Sie ein Polizeimann sieht [...]". Von einem Besuch der Meyerbeer'schen Oper "L'Africaine" am 10. September zeugen Wiedergaben vom Innern des Hofoperntheaters sowie des Bühnenbilds (von Johann Kautsky). Bemerkenswert sind ferner mehrere ungewöhnliche Wienansichten, darunter ein Blick im Sonnenuntergang über den Donaukanal zum Kahlenberg, ein Eckhaus am Franz-Josefs-Kai und die griechisch-orientalische Kirche am Fleischmarkt, aber auch das noch existierende Café Wortner im 4. Bezirk.

Neben diesen fein beobachteten städtischen Motiven sind die zahlreichen Landschaftsaquarelle von besonderem Reiz: Der Künstler unternahm nämlich mehrere Eisenbahnausflüge, auf denen er das Wiener Umland festhielt (Dom von Wiener Neustadt, Ansichten des Semmeringgebiets, Mürzzuschlag, Stift Melk, Maria Taferl), aber auch die Salzburger Alpen (Dürrnberg, Hallein, Königssee, Watzmann und Berchtesgaden). Den Abschluss des Büchleins bildet ein Bleistiftportrait des "Kammermusikus Fritz Haller", datiert 23. XII. 1873.

Das Skizzenbuch ist nicht signiert; möglicherweise handelt es sich jedoch um ein Jugendwerk des aus Budapest gebürtigen Militärkapellmeisters Johann Nepomuk Hock, der eben 1873 vom Krakauer Infanterieregiment 13 zum in Wien garnisonierten Infanterieregiment 39 wechselte. Diese tentative Zuschreibung ließe sich auf die im Wiener "Fremdenblatt" vom 5. IX. 1873 veröffentlichte Ankunftsliste des Hotels Zillinger sowie das Musikerportrait am Schluss des Bandes stützen. Hock, der 1883 zum IR13 zurückkehren sollte, komponierte den "13er Regimentsmarsch"; im Blasmusikarchiv der Kunstuniversität Graz liegt die Handschrift seines "Sardana"-Marschs.

Zustand

Einband etwas berieben. Durchgehend etwas gebräunt und teils mit leichtem Abklatsch; die weißen Blätter etwas stockfleckig.

Art.-Nr.: BN#64268 Schlagwörter: , , , ,