Ein Buch für die Ewigkeit
Der christlich Glaube Mit Gottseligen christlichen und hoch tröstlichen Gebeten wie ein jeder Christ Täglich vor den Augen des Herrn seines Gottes erscheinen mag.
Deutsche Handschrift auf Pergament. 37 Bll.; 1 separates Bl. Mit 16 ganzseitig montierten, in Gold und Farben illuminierten Kupferstichen, davon 12 mit einzeiligen lateinischen Bildlegenden. Neuerer violetter, floral ornamentierter Seidenband über Holzdeckeln auf vier Bünden. Pergamentvorsätze; dreiseitiger Goldschnitt. 4to (ca. 212 x ca. 156 mm). In mit Filz ausgelegter schwarzer Halbmaroquinkassette mit goldgepr. Rückentitel, signiert "J. & S. Brockman".
€ 295.000,00
Einzigartiges Gebetbuchmanuskript auf Pergament mit 16 ganzseitigen illuminierten Kupferstichen nach Marten de Vos, entstanden zum Ende des 16. Jahrhunderts. Dies ist eine von nur acht bekannten Handschriften Hieronymus Oertls: ein "neo-illuminated manuscript" und ein "unique example of the art of book arts around 1600" (Baeyer 6), das den Übergang zwischen Mittelalter und Barock, Handschrift und Druck sichtbar macht.
Die 12 Stiche illustrieren die einzelnen Artikel des Glaubensbekenntnisses von der Schöpfung bis hin zur Auferstehung der Toten ins ewige Leben. Inhalt und Bildprogramm heben sich von Oertls übrigen Arbeiten ab: Lediglich das "Frontispiz" wurde (anders illuminiert) noch in einem anderen Werk verwendet. Vorbild ist eine Kupferstichserie in 13 Blättern nach Zeichnungen von de Vos' "Credo", 1633 in Amsterdam als "XII Fidei Apostolicæ Symbola" gedruckt. Von den Stechern Adrian und Jan Collaert II. zeugt die Signatur "Ioann Collaert sculp." fünfmal im Bild; die Angaben "M. de Vos invent." und "Adrian Collaert sculp." bzw. "excud." sind beschnitten.
Die Stiche prunken mit Goldhöhungen und einer reich differenzierten Buntheit, "ranging from delicate and sensitive translucent washes to pastose colouring" (Baeyer 64). Tatsächlich war Oertl nicht nur "a fine scribe, but was one of the best illuminators of his generation. He was responsible for the selection of the Biblical texts, for writing the prayers, for colouring and gilding the drawings and for illuminating the prints" (Baeyer 54).
Am Titelblatt schnitt Oertl das zentrale Medaillon aus, um seine eigene Titelinschrift auf das darunterliegende Pergament aufzutragen. In einer Kartusche darunter steht geschrieben: "All Todten werden auffersthen / Wann Gottes Posaun wirdt anghen"; der Schluss lautet: "Wer wol von dieser Welt wegfehrt, / Ins Himlisch Vatterland einkert". In einheitlicher Fraktur ohne Initialen geschrieben, gliedert Oertl den Gebetstext durch Größe und Farbe der Schrift, Verzierung der Überschriften und strukturierende Zeilen mit filigranem Feder- und Schnörkelwerk. Ein Rahmenschmuck als schmale, vergoldete rote Papierbordüre mit schwarzen Linien fasst Text- und Bildseiten ein. Die ebenso innovative wie aufwendige Verbindung von Altem und Neuem macht diese illuminierte Gebetshandschrift zu "a precious possession" (ibid., 47).
Vor Oertls Bildprogramm sind drei nicht zuzuordnende Stiche eingerückt: eine Genreszene (Elisabeth und der Johannesknabe besuchen den Stall zu Bethlehem), die Taufe Christi sowie - als Frontispiz - der triumphierende Jesusknabe. Ein unfertiges Pergamentblatt mit dem montierten Stich eines Kruzifixes von H. Wierix nach de Vos scheint später beigelegt worden sein; diesen verwendete Oertl allerdings selbst noch in zwei anderen Manuskripten (vgl. die Abb. Baeyer 42f, Nr. 8.XIII, 86).
Tenschert, Kat. 90, Wunderkammer I (2023), Nr. 10. Baeyer, Illuminated Prints 1480-1600 (London, 2019), S. 146. Zu den Radierungen nach de Vos: Nagler, Künstler-Lexicon XX, 559. Zu Oertl: Grieb 1097f.; Will III, 71f.


















