Bücher und Grafik: Das alles gibt es im Netz

Antiquariatsmessen in Stuttgart und Ludwigsburg: Die Messen für Bücher und Kunst auf Papier finden diesmal ausschließlich im Internet statt. Wer ein preiswertes Unikat erwerben will, muss schnell sein.

Wiesbaden. Bücher über das Internet zu verkaufen ist heute Standard – und die Konkurrenz ist groß. Die beiden Antiquariatsmessen in Stuttgart und Ludwigsburg mussten sich etwas einfallen lassen, da ihre Veranstaltungen zum gewohnten Termin Ende Januar nicht stattfinden können. Statt einer Verschiebung haben sich die Schwestermessen zu virtuellen Terminen entschlossen, die auf ähnliche Konzepte setzen. Auf einen gedruckten Katalog möchten beide nicht verzichten. Das unterscheidet die Antiquariats- von den Kunstmessen, deren Onlineausgaben bisher ausnahmslos rein digital geblieben sind.

Die Antiquaria Ludwigsburg möchte auch im virtuellen Raum eine persönliche Verbindung zwischen Ausstellern und Besuchern herstellen und versucht dies mit Porträtfotos. Das mag bieder oder banal erscheinen, ist aber in der ansonsten vorherrschenden gesichtslosen Anonymität des Internets ein sympathischer Zug. Der Onlinekatalog ist schon länger freigeschaltet, doch für die ursprüngliche Eröffnung am 28. Januar um 15 Uhr sollen weitere Offerten der 53 Aussteller freigeschaltet werden, um zumindest ein wenig „Buzz“ zu erzeugen. […]

Ein älteres Objekt als die sumerische Tontafel, die Inlibris und Kotte Autographs für 5000 Euro anbieten, dürfte bei kaum einem Antiquariat zu finden sein: Auf die Zeit um 2300 vor Christus wird das Schriftstück datiert – in einer Expertise aus dem Jahr 1900.

Vor dem Kulturgutschutzgesetz müssen sich potenzielle Käufer also nicht fürchten. Der Inhalt des Textes ist so profan wie sakral, verzeichnet er doch die Einnahmen eines Tempels. Das teuerste Objekt des Katalogs ist ebenfalls hier zu finden: eine Urkunde des letzten Stauferkaisers Friedrich II. aus dem Jahr 1226 für 475.000 Euro. […]

Die Stuttgarter Antiquariatsmesse, organisiert vom Verband Deutscher Antiquare, hat mit ihren 76 Teilnehmern bereits seit Herbst ein Präludium mit Lesungen und Gesprächen im Internet, die weiterhin abrufbar sind. Auch hier setzt der Veranstalter auf Öffnungszeiten, die an die reguläre Laufzeit angelehnt sind. Auf die Art dürfte zum Angebotsvolumen des Katalogs, das der Veranstalter auf elf Millionen Euro beziffert, noch einiges hinzukommen.

Für knapp ein Viertel dieser Summe ist der Eintrag von Jörn Günther aus Basel verantwortlich, der mit einer französischen „Vita Christi“ aus den Jahren 1506 bis 1508 von Ludolphus Carthusiensis für 2,2 Millionen Euro und einer Erstausgabe des „Theuerdank“-Romans von Kaiser Maximilian I. für 850.000 Euro aufwartet.

In der gleichen Preisliga spielt Inlibris aus Wien, das beide Messen beschickt. In Stuttgart ist Andreas Vesalius“ Anatomie-Inkunabel „De humani corporis fabrica libri septem“ in der Basler Erstausgabe von 1543 zu 950.000 Euro das Prunkstück. […]

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Verschollener Kauffmann-Brief aufgetaucht

Das Franz-Michael-Felder-Archiv hat einen lange verschollen geglaubten Brief der Malerin Angelika Kauffmann (1741 bis 1807) erworben. Durch die Unterstützung eines Mäzenaten-Ehepaars konnte das 1792 an den deutschen Schriftsteller und Aufklärer Christoph Martin Wieland gerichtete Schriftstück um 9.500 Euro gekauft werden.

Am 18. November 1792 schreibt Angelika Kauffmann aus Rom an Wieland, dass sie sich über sein Interesse an ihren Arbeiten freue und sie gerne einige Zeichnungen für seinen „Oberon“ beisteuern könne. Er möge ihr doch einige Stellen nennen, nach denen sie zeichnen solle.

Der Brief, in dem diese Zeilen zu lesen sind, galt seit mehr als 100 Jahren als verschollen. Es war lediglich eine Abschrift bekannt, die um 1900 gemacht wurde. Der Originalbrief tauchte kürzlich auf dem Antiquariatsmarkt wieder auf.

Für Öffentlichkeit zugänglich

Mitte des 19. Jahrhunderts hatte sich der Brief in der Autographensammlung des Grafen Victor von Wimpffen befunden, ehe die Sammlung kurz nach 1900 verkauft und versteigert wurde.

Auch der Brief von Angelika Kauffmann fand damals einen neuen Besitzer, verschwand in der Dunkelheit einer privaten Sammlung, aus der er erst vor kurzem wieder auftauchte. Durch die Erwerbung für das Felder-Archiv soll er nun für die Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Wertvolle Ergänzung der Autographensammlung

Das wertvolle Schriftstück gehöre zu den teuersten Autographen von Kauffmann und sei aber auch „von überragender Wichtigkeit“, teilte die Vorarlberger Landespressestelle in einer Aussendung mit.

Das Dokument verdeutliche, welchen Zuspruch Kauffmann von den herausragenden Persönlichkeiten ihrer Zeit erfahren und mit welchem Selbstbewusstsein sie diesen gegenüber aufgetreten sei, hieß es. Der Brief ist eine bedeutende Erweiterung der Autographensammlung des Felder-Archivs, in der sich schon mehrere Briefe von Angelika Kauffmann befinden.

Angelika Kauffmann wurde am 30. Oktober 1741 in Chur geboren und verstarb am 5. November 1807 in Rom. Ihr Vater, der aus Schwarzenberg stammende Maler Johann Joseph Kauffmann, erkannte früh ihr künstlerisches Talent und unterwies sie in der Malkunst. Sie war eine der bekanntesten schweizerisch-österreichischen Malerinnen des Klassizismus.

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Stuttgart und Ludwigsburg locken Sammler mit seltenen Originalausgaben

Handschriftliche Geständnisse, Globen, Fotos oder Bücher: Zwei Messen im deutschen Südwesten fahren die ganze Bandbreite des Antiquariats- und Grafikhandels auf.

(...) Parallel zu Stuttgart läuft die Antiquaria im Ludwigsburger Musikverein. Die Veranstaltung ist mit 55 Ausstellern etwas kleiner als die große Nachbarin, hat in diesem Jahr jedoch das bei Weitem teuerste Objekt im Angebot.

Ein „Musikalisches Album zur Erinnerung an günstige Freunde, angelegt von Aloys Fuchs“ enthält 115 Manuskripte von Komponisten wie Beethoven, Chopin, Rossini oder Clara und Robert Schumann. Kostenpunkt am Gemeinschaftsstand von Kotte Autographs aus Roßhaupten und Inlibris aus Wien: 1,8 Millionen Euro. (...)