[Amman, Jost/Weigel, Hans. Habitus praecipuorum populorum, tam virorum quam foeminarum singulari arte depicti. Trachtenbuch darin fast allerley und der furnembsten Nationen die heutigs tags bekandt sein.

Nürnberg, Hans Weigel, 1577].

161 (statt 220) Holzschnitttafeln, im frühen 19. Jahrhundert aufgezogen, koloriert und teils auf dem hinterlegten Träger ergänzt. Späterer Halblederband unter Verwendung eines Rückenschildchens des 18. Jahrhunderts. Dreiseitiger gesprenkelter Rotschnitt. Folio (204 x 325 mm).

 14.000,00

Erstausgabe von Jost Ammans enzyklopädischem Trachtenbuch. Wie meist fragmentarisch erhaltenes Exemplar, die Tafeln im frühen 19. Jahrhundert vom Besitzer, dem ausgebildeten Württemberger Landschaftsmaler Jakob Linckh (1786-1841; vgl. Thieme/B. 23, 254), auf Trägerpapier aufgezogen, durchgehend leuchtend handkoloriert und bis in die Bildlegenden kunstgerecht ergänzt. Linckh, der mehrere Studienaufenthalte in Rom verbracht hatte, war 1810 mit Baron Stackelberg nach Griechenland gereist, wo er sich mit Byron anfreundete und - gemeinsam mit Charles Cockerell - von diesem beauftragt wurde, die Illustrationen für Hobhouses Reisewerk anzufertigen.

Es fehlen 59 Kostümtafeln vollständig; die übrigen am Rand knapp beschnitten und zumeist mit erheblichen Ausrissen und Fehlstellen in der unteren Bildhälfte. Obwohl die vorliegende Zusammenstellung wie im Original mit der Darstellung des Kaisers beginnt, folgen die weiteren Holzschnitte keiner erkennbaren Anordnung. 20 Tafeln zeigen Kostüme aus der Türkei, Arabien, Persien, Ägypten und Äthiopien; außerdem zu sehen sind Griechen, Russen und Engländer. Allein 28 Tafeln sind dem heutigen Italien gewidmet; neben Frankreich und Spanien, Böhmen und Ungarn sind vor allem die deutschen Städte vertreten. Vorhanden ist außerdem die berühmte Darstellung der brasilianischen Tupinamba-Indianer: ein Mann mit Federkrone und -Gürtel, Kurzschwert sowie Pfeil und Bogen, neben ihm eine langhaarige Frau mit Kleinkind im Tragetuch. Der Holzschnitt ist eine Abwandlung nach Darstellungen in Francois Descerpzs "Recueil de la diversité des habits" (Paris, 1562; Antwerpen, 1572) und gilt als "one of the first likenesses of the Brazilian Indian" (Borba de Moraes).

Jakob Linckhs eigenh. Besitzvermerk (dat. 1825) am Titel; etwas späterer Besitzstempel "Anton Franzin" am Vorsatzblatt (möglicherweise identisch mit dem gleichnamigen Tiroler Gerichtsbeamten, um 1840).

VD 16, W 1487 (Ex. der BSB incpl.). Lipperheide 7-8 (beide incpl.). Andresen I, 234. Becker 140. Borba de Moraes II, 373f. Maggs, Bibl. Americana 1-214 ("This book is excessively rare in a complete state").