[Schrick, Michael Puff von]. Von allen geprenten Wassern, in welcher Maß man die nützen und gebrauchen sol, zu Gesundheyt und Fristung der Gebrechen der Menschen [...].

(Nürnberg, Jobst Gutknecht, 11. Mai 1528).

(22) SS. Mit großer Holzschnittillustration am Titel. Moderner marmorierter Pappband. 4to.

Noch frühe Ausgabe der vielgedruckten Abhandlung über die Destillation, in der Dutzende verschiedener Kräuterextrakte behandelt werden. "Michael Puff (1400-73) of Schrick, a little village in Austria, was a teacher at Vienna University [...] Often printed during the 15th and 16th centurys; all these editions are rare" (Duveen). Die älteste erhaltene Handschrift datiert von 1463 (Solothurn ZB, cod. S 386, 132r-136v); es erschienen nicht weniger als 31 Inkunabeldrucke (GW M43671 ff.) sowie zwischen 1502 und 1601 12 weitere Ausgaben, die das Werk endgültig zu einer der weitestverbreiteten Schriften über Destillation machten: über "30 Auflagen nach dem Tode des Verfassers, eine in der Geschichte der Wiener medicinischen Schule einzig dastehende Thatsache" (Senfelder, der noch nicht alle bis heute bekannt gewordenen Ausgaben kannte). Auch in die Schriften späterer Autoren wie Brunschwig und Hieronymus Bock fand das Werk Aufnahme. "Zweifellos behauptete es sich bis weit ins 17. Jh. als maßgeblicher Leitfaden für das Verordnen alkoholischer Destillate" (Walther/Keil, Art. Puff, in: Verfasserlexikon VII, Sp. 909). "Die Schrift enthält 82 verschiedene pflanzliche Arzneien mit kurzer Angabe ihrer Verwendung. Auch eigener Erfahrung ertheilt der Verfasser zuweilen das Wort, wie beim Hirssenzungenwasser [...]. Den Schluß bilden zwei längere Tractate von den Kranwitber oder Wechalter und vom gebrannten Weine" (Senfelder, S. 350). Vom letzteren empfiehlt Puff u. a.: "wer alle morgen trincket den gepranten wein ein halben löffell vol der wirdt nymmer kranck“.

Michael Puff, um 1400 in Schrick (bei Mistelbach, NÖ) geboren, schrieb sich 1417 in die Wiener Matrikel ein. Seit 1423 wurde er als Magister artium geführt, 1431 rückte er zum Bakkalaureus, 1433 zum Lizentiaten der Heilkunde auf und promovierte noch im selben Jahr zum Doktor der Medizin. Bereits zwei Jahre später wurde er zum Dekan der medizinischen Fakultät gewählt; bis 1470 hatte er dieses Amt elfmal inne. "Als Leiter der anatomischen Demonstrationen hat Puff mindestens dreimal einer Lehrsektion vorgestanden; 1452 ließ er zum ersten Mal in Wien eine weibliche Leiche zergliedern. Von ausgeprägtem pharmakologischem Interesse zeugen seine Schriften ebenso wie sein Mitwirken am Entwurf der Wiener Apothekerordnung von 1465. Anfang 1473 ist der excellens medicus gestorben; er wurde am 12. Feb. 1473 beim Veitsaltar in der Stephanskirche beigesetzt [...]. Das literarische Schaffen Puffs zeigt eine beachtliche Vielfalt, die in den Gattungen vom Traktat über die Rede bis zum Rezept reicht, thematisch klare Akzente auf Pharmakologie und Seuchenbekämpfung setzt, als Zielgruppe neben Hochschullehrern und Studenten auch Laienärzte und Patienten ins Blickfeld treten läßt und vom scholastischen Latein bis zur Landessprache auffächert“ (Walther/Keil, Sp. 905f.).

Durchgehend gebräunt und fingerfleckig; teils knapp beschnitten.

VD 16, S 4177 (Titelvariante: "zu gesundhait"). HLHB Darmstadt S5079/505. Brüning I, 139. Vgl. Waller 8696 (Ausg. 1505). Neu 3722; Duveen 537 (Ausg. 1521). Durling 4145f. (Ausgg. 1523, 1530). BM-STC German 796 (andere Ausgg.). Leopold Senfelder, Michael Puff aus Schrick 1400-1473, in: Wiener klinische Rundschau 12 (1898), S. 351 (nur Gutknecht-Ausgg. 1518 u. 1523). Wellcome 5862ff. Nicht bei Adams.