Leben und Taten der Päpste: Mit über tausend illuminierten Wappen, in Einbänden für Clemens VIII., aus der Sammlung des Earl of Rosebery

Chacón, Alfonso. Vitae et gesta summorum Pontificium a Christo Domino usque ad Clementem VIII. necon S. R. E. Cardinalium cum eorundem insignibus.

Rom, Stefano Paolino, 1598-1601.

2 Bde. (8), 560 SS. (8), 561-1284, (12) SS. Titel in Rot und Schwarz gedruckt. Mit Papstwappen auf beiden Titeln, einer illustrierten Kopfleiste, weit über 1000 Papst- und Kardinalswappen, zahlreichen Siegeldarstellungen, Hunderten von Schmuckinitialen und -vignetten (alles in Holzschnitt), zumeist in Gold, Silber und Farben illuminiert. Orangerote Maroquinbände der Zeit auf fünf Bünden, prachtvoll geschmückt mit reicher Gold- und Blindprägung aus Fileten und Einzelstempeln. Punzierter Kopf- und Fußgoldschnitt; bemalter Seitenschnitt (Papstwappen in Gold und Farben). Folio (ca. 328 x ca. 218 mm).

 75.000,00

Das berühmte Hauptwerk des spanischen Dominikaners Alfonso Chacón: Hier die fast unauffindbare Erstausgabe seiner großen Papstgeschichte als prachtvoll illuminiertes Widmungsexemplar für Papst Clemens VIII., der auch Empfänger der gedruckten Widmung war. Die reich ornamentierten Einbände tragen auf den Deckeln Clemens' farbiges, filigran geschmücktes Wappen, das auf dem kunstvoll bemalten Schnitt jeweils wiederholt wird. Die durchgehende prachtvolle Illumination gibt beredtes Zeugnis vom immensen heraldischen Wissen, das nötig war, um die weit über tausend Papst- und Kardinalswappen korrekt zu kolorieren; die teils mikroskopisch kleinen Einzelbilder sind über sämtliche fast 1300 Seiten in Gold, Silber und Farben ausgemalt, viele zusätzlich durch Schattierungen plastisch gehöht. Die kostbaren Einbände reihen sich würdig ein in die "Legature papali", die 1977 von der Vatikanischen Bibliothek ausgestellt wurden. Obwohl die Beispiele aus dem Besitz von Clemens VIII. (Nr. 148-168 im Katalog) kein einheitliches Erscheinungsbild zeigen, kommt der Einband eines 1599 gedruckten Graduale (gleichfalls ein Dedikationsexemplar) den unsrigen in seinem manieriert-antikisierenden Stempelmaterial nahe.

Chacóns auf das Jubeljahr 1600 hin entworfenes Jahrhundertwerk beschreibt Leben und Taten aller Stellvertreter Gottes auf Erden, von Christus bis zu Clemens VIII. selbst. Nach dem Tod von Sixtus V. im Jahr 1590 waren innerhalb von nur anderthalb Jahren drei weitere Päpste gestorben; mit Clemens' Pontifikat ab 1592 zog endlich wieder Stabilität ein. Sein Wirken markiert eine der bedeutendsten Etappen der katholischen Reform: Im Jahr 1595 erreichte er mit der Brester Union den Zusammenschluss mit der orthodoxen Kirche, was Hoffnungen auf ein Ende des großen Schismas nährte. Auch Grundlagentexte des Glaubens ließ er revidieren: "Seiner Sorgfalt verdanken wir eine bessere Ausgabe der Vulgata […], des römischen Breviers […], Missals, Cerimonials und Pontificals" (Wetzer/Welte II, 604). Zur Kehrseite seines Pontifikats gehört das Häresie-Urteil gegen Giordano Bruno, dessen Hinrichtung ausgerechnet zum Jubeljahr 1600 vollzogen wurde.

Der Altertumsforscher Alfonso Chacón (1530-99), Pionier der christlichen Archäologie und Katakombenforschung, starb noch vor Abschluss seiner monumentalen Fleißarbeit, die von Francisco de Cabrera Morales vollendet und von Chacóns gleichnamigem Neffen 1601 in Rom herausgegeben wurde. Obwohl eine Handvoll Bibliotheken Exemplare des ersten Bandes mit dem Druckjahr 1598 besitzen (OCLC vermerkt sie in Bern, Fribourg, Genf, Valencia, Poitiers und Mexico City), wird das Werk von sämtlichen Bibliographien als eines des 17. Jahrhunderts geführt.

Nach Papst Clemens VIII. nahmen große Bibliophile dieses Exemplar in Besitz: Ungefähr ein Jahrhundert nach seinem Tod kam es an den britischen Hofmann Sir Andrew Fountaine (1676-1753), der die Jahre 1714-18 in Frankreich und Italien verbrachte (vgl. De Ricci 42) und in dessen ansehnlicher Sammlung es bis ins späte 19. Jh. verblieb. Anschließend erwarb es Archibald Philip Primrose, 5th Earl of Rosebery (1847-1929), zeitweilig britischer Außen- und Premierminister. Im 20. Jahrhundert gehörte es dem amerikanischen Juristen, Journalisten und Politiker John Francis Neylan (1885-1960), später dem französischen Schriftsteller und Diplomaten Roger Peyrefitte (1907-2000): durchwegs politisch denkende Besitzer, die neben dem bibliophilen auch den kirchenpolitischen Repräsentationscharakter dieses Prachtwerks zum Abschluss des Cinquecento hochgeschätzt haben müssen.

Provenienz

Widmungsexemplar für Clemens VIII., Papst 1592–1605. Laut Vermerk im Sotheby's-Katalog 1962 (s. u.) aus dem Besitz von Sir Andrew Fountaine (1676-1753), demnach dessen Auktion 1870. Auf den Spiegeln Wappenexlibris von Archibald Philip Earl of Rosebery (1847-1929); dessen Auktion Sotheby's, London, 27.6.1933, Nr. 473 (mit Abb.). Sotheby’s, 8.4.1935, an Marks. Auf den fliegenden Vorsätzen illustriertes Exlibris von John Francis Neylan (1885-1960); dessen Auktion Sotheby’s, London, 28.5.1962, Nr. 111 (£1,064). Auf dem Spiegel von Bd. II Exlibris von Roger Peyrefitte (1907-2000); dessen Auktion I, Paris, 20.12.1976, Nr. 32 (mit Abb. auf Tafel).

Beschreibung

2 Bde. (8), 560 SS. (8), 561-1284, (12) SS. (a4, A-Z6, Aa-Zz6, &4; a4, Aaa-Zzz6, Aaaa-Zzzz6, Aaaaa-Nnnnn6, Ooooo8, *6). Titel in Rot und Schwarz gedruckt. Mit schmaler Marginalspalte gedruckt; Text in zweifachen schwarzen Rahmen gesetzt. Index dreispaltig. Mit großem Wappen von Papst Clemens VIII. in barocker Kartusche auf beiden Titeln, einer textspiegelbreiten illustrierten Kopfleiste (Petrus), weit über 1000 Papst- und Kardinalswappen, zahlreichen Siegeldarstellungen, Hunderten von Schmuckinitialen und -vignetten, alles in Holzschnitt und mit wenigen Ausnahmen in Gold, Silber und Farben illuminiert. Orangerote römische Maroquinbände der Zeit auf fünf goldschraffierten und von Goldfileten begleiteten Bünden, mit goldgepr. Einzelstempeln in Gold- und doppelten Blindfiletenrahmen in allen Rückenfeldern; auf den Deckeln mehrfacher Rahmen aus gold- und blindgeprägten Filetenbündeln, außen eine filigrane Goldbordüre begleitend, darin Eckfleurons mit figürlichen Elementen, kleinere Eckfleurons auch im inneren Rahmen, im Mittelfeld Raute aus zweimal drei Blindfileten, darin das nachtblaue ovale Wappen von Papst Clemens VIII., umgeben von einer zierlichen schwarzen Kartusche mit Sphingen und geflügelten weiblichen Büsten; mit punziertem Kopf- und Fußgoldschnitt sowie bemaltem Seitenschnitt: auf blauem Grund in symmetrischem Rankenwerk mittig das päpstliche Wappen, oben und unten die Tiara mit Schlüsseln in Gold und Farben. Folio (ca. 328 x ca. 218 mm).

Zustand

Einbände mit kleineren Schabstellen, Schließbänder entfernt. Papier stellenweise leicht gebräunt oder braunsprenklig; Gelenke des 2. Bandes unauffällig repariert.

Literatur

Nicht in Edit 16, Adams und in BM-STC Italian. Vgl. Brunet II, 1 (nur spätere Ausgaben); DBI XXIV, 354f.; Ebert 4239 (nur spätere Ausgaben); Graesse II, 155 (nur spätere Ausgaben); Quétif II/1, 345, Nr. 8 (mit Erscheinungsjahren 1601-02); Wetzer/W. III, 34 (mit Erscheinungsjahren 1601-02). STC 220. De Backer/S. V, 1881, 6. LThK VII, 702 & II, 961.