Kotzebue, August von, Dramatiker und Schriftsteller (1761-1819). Eigenh. Brief mit U.

Wien, 27. IV. 1798.

1 S. 8vo.

 2,500.00

An seinen Verleger Paul Gotthelf Kummer (1750-1835): "Hochgeschätzter Freund! Aus dem Journal wird Gott sey Dank nichts! Wegen der Nachdrucke werden Sie wohl mit H. Schauenburg auf der Messe selbst reden. Was ich in Zukunft schreibe, werde ich so einrichten, daß es hier censurirt u. gedruckt werden kann; das würde vielleicht helfen. Das an mich gesandte Päckl Bücher ist noch immer nicht angekommen. So bald es da ist, werde ich selber zu Sch. gehen, u. die wenigen mir zukommenden herausnehmen, also die Zurücksendung gar nicht aufhalten. Beyliegende ältere Theaterstücke bitte mir sammt den Neuigkeiten zu senden. Dem 2ten Bde. meiner Schauspiele sehe ich nunmehr mit Verlangen entgegen. Die Fortsetzung von 2 Expl. Wielands Schrifften unterlassen Sie ja nicht mit nach Reval zu senden, aber durch Hartknoch; sie sind für den Baron Ungern-Sternberg par Reval & Hapsal à Linden, oder auch in Reval bey Bornwasser abzugeben [...]".

Kotzebue, der soeben einen Ruf als Direktor am Wiener Hoftheater angenommen hatte, hätte als Teil seiner Aufgaben ein wöchentliches kritisches "Theater-Journal" herausgeben sollen. Kotzebue unterzog sich diesem Plan nur widerwillig, zumal die Schauspieler Kritik an ihrer Spielweise fürchteten und die Vorbereitungen hintertrieben. Am 20. April ließ sich Koetzebue von der Redaktion einer solchen Zeitschrift entbinden; sein Direktorenamt legte er infolge der fortgesetzten Meinungsverschiedenheiten mit den Schauspielern noch vor Jahresende nieder.

Kummers "Verbindung zu Kotzebue begann 1786 - der Autor war gerade 25 Jahre alt - und endete mit Kotzebues Ermordung 1819. Sie war primär geschäftlich bestimmt, hatte aber auch Züge persönlicher Freundschaft. Kummer war ein sehr vorsichtiger Verleger, und so wandte sich Kotzebue gelegentlich anderen Verlagen zu, die besser honorierten, aber immer blieb Kummer der erste, dem er eine Veröffentlichung anbot, und dieser konnte nach Kotzebues Tod schreiben: 'Stets blieb Kotzebue mein Freund; ich der seinige'" (Jb. des Freien Deutschen Hochstifts 1989, Jahresbericht, S. 379).

Verso Kummers charakteristische Empfängernotizen sowie alter Sammlervermerk in roter Tinte: "21. Mai 1881 erh.".

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