"Gott weiss, man soll zu nichts kommen, und - trotz aller Erfolge - und muss man in alle Ewigkeit nach der alten Honorar-Tafel behandelt werden!!"

Wagner, Richard, Komponist (1813-1883). Eigenh. Brief mit U.

Paris, 21. VII. 1861.

3 SS. auf Doppelblatt. 8vo. In maßgefertigter Lederkassette mit goldgepr. Deckeltitel und Rückenschildchen. 4to.

 12,500.00

Wenige Monate nach der katastrophalen Aufführung des "Tannhäuser" in Paris, einem der größten Opernskandale der Musikgeschichte, an den Komponisten Franz Abt, damals Kapellmeister am Hoftheater Braunschweig: "Die geringe Hoffnung, die Sie mir auf die Befriedigung meiner Ansprüche für das Aufführungsrecht des Tannhäuser Seitens Ihrer Intendanz machen, ist mir einigermaassen verdrießlich. Seit lange waren Stuttgard und Braunschweig die einzigen deutschen Theater, welche sich zu dieser Oper noch nicht hatten entschliessen dürfen, und ich hatte mir vorgenommen, für diese auffällige unfreundliche Tendenz mich etwas zu rächen. Als nun vor 3 Jahren Stuttgard sich herbeiliess, um mich sich bekümmern zu wollen, wählte man dort (sehr geschickt) einen älteren, mir bewährten, dortigen Freund zum Vermittler, gegen den persönlich ich mich nicht lange hinterhältig zeigen konnte, und so kam die Sache zu Stande. Die Braunschweiger Intendanz hat nun noch volle 3 Jahre gebraucht, um über den schwierigen Fall der Zulassung meines Tannhäuser nachzudenken. Ich kenne die dortigen Schwierigkeiten und weiss dass ich die persönliche Abneigung des Herzog's gegen mich habe. Zeige ich mich nun schwierig, so treffe ich nicht meinen Gegner, sondern am meisten Sie [...] Das Ende vom Lied ist, dass ich, um Ihnen den Erfolg Ihrer Bemühungen nicht zu verderben, von meiner Forderung von 50 Louisd'or abstehen und mit einem niederern Satze mich begnügen soll". Im "aeussersten Nothfalle" könne Abt auch auf dreißig Louisd'or herabgehen, doch "will man auch diese - und zwar unverkürzt - mir nicht zugestehen, nun so mögen Braunschweig's Fluren auch fernerhin von der Geissel meiner bösen Oper verschont bleiben, und das vereinigte Italien nehme Sie [sic], mit Verdi und Garibaldi, in seinen Segen! [...]".

Abts Bemühungen sollten letztlich aber von Erfolg gekrönt sein: Nachdem am 1. Oktober des Jahres das Herzogliche Hoftheater am Steinweg feierlich eröffnet worden war und das alte Hoftheater am Hagenmarkt als erste Bühne der Stadt abgelöst hatte, gab man schon am Tag darauf unter Abts Leitung den "Tannhäuser": "Das neue Herzogliche Hoftheater am Steinweg war endgültig eröffnet. Es war ein prächtiger Neubau, der damals als einer der schönsten und bedeutendsten in Europa galt" (Biegel, S. 12).

Tadellos erhalten.

Vgl. Gerd Biegel, Wenn die Schwalben heimwärts zieh'n. Franz Abt und seine "Heimatstadt Braunschweig" im 19. Jahrhundert.

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