Rilke, Rainer Maria, Dichter (1875-1926). Eigenh. Brief mit U. ("R. M. Rilke").

Le Prieuré d'Etoy, Canton de Vaud, Suisse, 8. VI. 1921.

2¾ SS. auf 2 Bll. 8vo.

 5,500.00

An den Ophthalmologen, Okkultisten und Schriftsteller Rudolf Tischner (1879-1961): "Alle diese Abende habe ich über dem Buch Flournoy's zugebracht ('Esprits et Médiums') - es ist verdrießlich, das Ergebnis jener Enquete zu lesen, in der sich eben so wenig 'Erleben' und 'Natur' ausspricht, sondern immer schon der Erscheinung Entgegengebrachtes, ja Aufgedrängtes. Ich gestehe, daß mich, au bout de compte, im Augenblick die Begebenheiten der Psychoskopie (Gottseidank, daß wir die 'metrie' los sind, dank Ihrer Einführung!) am Meisten interessieren würden: es war ja auch dieses Gebiet, auf dem ich Merkwürdigstes - seinerzeit - miterleben durfte! [...]".

Im Wunsch, den Nachkriegswirren zu entkommen und die so lange unterbrochene Arbeit an den "Duineser Elegien" wieder aufzunehmen, war Rilke im Juni 1919 von München in die Schweiz gereist, wo er in Zürich die der Winterthurer Unternehmerfamilie entstammende Nanny Wunderly-Volkart (1878-1962) kennenlernte, die ihn bis zu seinem Tod finanziell unterstützte und die für Rilke angenehme Aufenthaltsorte mit der gewünschten Bedienung bereitstellte. Nach knapp zweijährigem Aufenthalt in wechselnden Unterkünften in Soglio, Locarno und Berg am Irchel fand Rilke im Sommer 1921 im Château de Muzot, einem Schlößchen oberhalb von Siders im Kanton Wallis, eine dauerhafte Wohnstätte.

Stellenweise gering fleckig und mit kleinen Randläsuren, sonst gut erhalten.