Österreicher in Padua: Studentenstammbuch aus der Zeit Galileo Galileis

[Album amicorum]. Stammbuch des Christoph von Welz (Welzer).

Padua und Florenz, 1604-1605.

8vo (130 x 180 mm). (179) Bll. mit 32 Stammbucheinträgen. Mit 10 farbigen goldgehöhten Wappenmalereien und 2 Aquarellen. Flexibler Pergamentband der Zeit mit späterem hs. engl. Rückentitel ("Devices in Colours").

 18,000.00

Schönes, durch mehrere prachtvolle Wappenminiaturen in kräftigen Farben ausgezeichnetes Freundschaftsalbum des österreichischen Studenten Christoph von Welzer aus seiner Zeit in Padua und Florenz.

Unter den Beiträgern findet sich Lorenzo Allegri (1567-1648), ein insbesondere für seine Tanzmusik bekannter italienischer Lautenspieler und Komponist am Hofe der Medici, der gemeinsam mit dem Choreographen Agnolo Ricci für die musikalische und tänzerische Gestaltung der zahlreichen Feste bei Hof zuständig war. Etliche weitere Einträger entstammen österreichischen oder böhmischen protestantischen Adelsgeschlechtern, darunter mit Wappenmalereien Friedrich von Eybeswalt (Eibiswalt), Georg Ehrenreich Welz(er) zu Spiegelfeld, Conrad Balthasar Freyberg, Wolfgang Nikolaus von Windischgrätz, Bernhard und Georg Andre von Glojach, Georg von Redern, Herr von Groß Strehlitz, Jaroslav Morkowsky von Zastrizl, Alexander Bauhof Svevo Charitinus sowie ein Angehöriger derer von Stadl (das Wappen ohne Unterschrift). Hübsche Aquarelle begleiten die Einträge von Wolff Christoff zu Herberstein und Hans Niklas Sigmar von Schlüsselberg, zeitweilig dänischer Hofjunker und Soldat und später ständischer Hauptmann, Verordneter und Ständegesandter in Österreich.

Ohne Wappen sind die Einträge von Franz Christoph von Khevenhüller (1588-1650, Historiograph, Kammerherr und Geheimer Rat unter den Kaisern Matthias und Ferdinand II., Verfasser der berühmten "Annales Ferdinandei") und Adam Hermann von Rotenhan (1585-1637, kgl.-schwedischer Statthalter in Würzburg). Des weiteren sind vertreten Michael d. Ä. Slawata von Chlum und Koschumberg, Hans Moriz von Redern zu Rosnochau und Krappitz, Christoph Sedlnitzky d. Ä. von Choltitz, Karl Richard von Minckwitz, Franziskus von Herbersdorf, Petrus Monberon, Friedrich von Welzer, Johann Abraham von Salhausen, Hans Ruprecht von Glojach, Hans Heinrich von Ende, Felician Waller, Johann Berker aus Westfalen, Georg Friedrich Donatt, Christoph Schainckerl, Mathias von Suchten, Caspar Göckelius sowie Girolamo dalla Foresta.

Die Einträge der Herren Monberon und Foresta nennen einen Christoph Welser als Empfänger. Dieser scheint 1604 in Florenz selbst als Beiträger im Stammbuch des Jusstudenten Heinrich Hartmann gen. Klein aus Wolfhagen bei Kassel auf (UB Kassel, 8° Ms. philol. 5, fol. 50), 1608 wiederum im Paduaner Stammbuch des Johann Bernhard von Hofkirchen (E. v. Hartmann, Zwei Stammbücher aus Siena, in Jb. Adler 1876, S. 119, Nr. 62). Die weit verzweigte Adelsfamilie Welz(er) war in Kärnten, Steiermark, Krain, Ober- und Niederösterreich begütert; Schloss Welzenegg bei Klagenfurt erinnert an ihren Namen. Mehrere der Einträger im vorliegenden Album dürften Geschwister sein, die Familien Khevenhüller und Eibiswalt waren durch Heiraten verwandt.

Die letzten beiden Seiten mit fragmentarischen Notizen in englischer Sprache über getätigte Ausgaben (z. B. für eine Halskette oder für "Miss Clayton", datiert 1746) sowie zum Mischverhältnis von Butter und Mehl für einen gelungenen Kuchen.

Die Universität Padua war seinerzeit ein hoch angesehenes Kulturzentrum, das europäische Studenten und Gelehrte anzog. Geprägt von einem für die damalige Zeit seltenen Geist kultureller Offenheit, bot es geistigen Größen wie Galileo Galilei, der dort von 1592 bis 1610 Professor war, Raum für Forschung und Lehre im Sinne eines neuzeitlichen Naturverständnisses. Im Jahr 1604 veranlasste die Supernova Galileo zu drei öffentlichen Vorträgen, in denen er die aristotelische Astronomie und Naturphilosophie angriff.

Condition

Einband fleckig und mit Gebrauchsspuren, Gelenke an den Bundstellen teils angeplatzt. Ränder gering gebräunt, stellenweise leicht fingerfleckig. Die beiden letzten Bll. mit Ausrissen im Bundsteg, danach ein Blattrest mit Notizen in englischer Sprache.