Strauss, Richard, Komponist (1864-1949). Eigenh. Brief mit U.

Garmisch, 20. III. 1945.

1½ SS. 4to.

 4,500.00

Großer, sorgenvoller Brief an seinen "lieben Freund Buhre", d. i. Walter Buhre, seit 1922 Tonmeister bei der Deutschen Grammophon Gesellschaft, über die Widrigkeiten der Gegenwart, geschrieben zwei Tage nach Hitlers sog. Nerobefehl: "Ich gehöre im Allgemeinen nicht zu den Leuten, die wie freundliche Verwandte oder wohlwollende Collegen Einem nur schreiben, wenn sie von uns etwas wollen, darum mache ich mir einige Gewissensbisse, daß ich Sie schon wieder um eine Gefälligkeit bitten muß. Aber Not kennt keine - Freundschaft u. Chauffeur Martin ist ein unausstehlicher Plaggeist. Entschuldigen Sie also gütigst beiliegenden Wunschzettel […] Ich denke noch oft an die schönen Stunden, die wir zusammen im lieben, armen Salzburg verlebten. Es waren die letzten Freuden, die meinem nun bald ganz in die Schatten der Hoffnungslosigkeit versinkenden Künstlerdaseins [!] beschieden waren. Die arme Danae war der Schwanengesang der deutschen Oper. Mit den letzten Meistersingern in Bayreuth steht sie am Ende 2000jähriger Kultur als Höhepunkte nun zerstörter deutscher Kunst. Auch sonst habe ich nur Trauriges zu berichten: meine arme Frau - nun den vierten Monat an den Folgen eines Rotlaufs erkrankt - fängt jetzt zwar Gott sein Dank an zu genesen unter der aufopfernden Pflege unserer braven Alice, die seit Dezember auch den ganzen Haushalt führt, nachdem unsre Anna im November ihrem Krebsleiden erlegen u. nachdem meine Kinder aus meinem bis jetzt zwar noch nicht zerstörten aber arg beschädigten Haus, dessen ganze Umgebung nur mehr ein Trümmerhaufen ist, hieher geflüchtet sind. Also Sorgen über Sorgen, Kummer u. Trostlosigkeit, die ich mühsam mit handwerklichen Arbeiten: neue Fassung des schlecht bearbeiteten Rosencavalierwalzers u. anderen unnützen Werkstattkrames [!] betäube. Meine Gesundheit ist trotz Allem noch gut - aber wozu noch? […]".

Die "schönen Stunden" in Salzburg beziehen sich auf die Vorbereitungen zur Uraufführung von "Die Liebe der Danae", die im Rahmen der Salzburger Festspiele geplant war. Da nach dem Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 aber die Festspiele abgesagt worden waren, kam es nur zu einer ersten und einmaligen Aufführung in Form einer öffentlichen Generalprobe.

Condition

Etwas gebräunt und mit kleinen Randläsuren. Ohne den erwähnten "Wunschzettel".

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