Die Briefe an seinen Jugendfreund Otto Grautoff

Mann, Thomas, Schriftsteller und Nobelpreisträger (1875-1955). Sammlung von über 90 frühen meist eigenh. Briefen, Postkarten u. a. an Otto Grautoff.

Verschiedene Orte, meist zwischen 1894 und 1901.

Zusammen ca. 260 SS. Meist 8vo. Die Karten mit eh. Adresse, manche Briefe auf Briefpapier mit gedr. Briefkopf. Mit einigen unveröffentlichten Grußkarten, Briefen an Erna Grautoff und Karl Federn. Meist München und Rom, einige Schreiben aus Neapel, Unterach, Riva del Garda, Dresden, Bad Tölz, Oberammergau und Paris, September 1894 bis 7. VII. 1925. Etwa 12 (meist undatierte, etwa 1895/1896 verfaßte) Schreiben inkomplett; die zwei ersten Schreiben mit kleinen Ausschnitten; gelegentlich angestaubt und mit Papierdurchbrüchen in der Faltung; jeweils mit Annotation der Österreichischen Nationalbibliothek (Juli 1938) und gelegentlich mit Datierung zur Edition (um 1975).

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Die nach Umfang und Inhalt wohl bedeutendste Sammlung von Briefen Thomas Manns, aus seiner frühesten und zugleich produktivsten Schaffenszeit, an seinen Jugendfreund Otto Grautoff (darunter elf unveröffentlichte Schreiben). Mann kommt u. a. auf den Zeitgeist der Jahrhundertmitte zu sprechen, der in den "Buddenbrooks" behandelt wird, auf den Umfang des Buchs und seine Pläne zu dessen Fertigstellung, gibt eine ausführliche Darstellung seines Verständnisses des germanischen und wagnerianischen Wesens, äußert sich über Goethe (mit Zitaten aus "Alles Vergängliche" ["Faust"]), Shakespeare ("Hamlet" und "Romeo und Julia"), Wagner ("Tristan und Isolde"), Turgenjew, Nietzsche, seinen Bruder Heinrich, Balzac, Dehmel, Fontane und viele andere Schriftsteller, ebenso über seinen Verleger Fischer, den "Simplicissimus" und die "Neue Deutsche Rundschau", und berichtet auch viel von seinen Reisen nach Italien (meist nach Rom in den Jahren 1895 bis 1897). Die Sammlung enthält weiters zwei eigenhändige Gedichte Manns: "Weihnacht" ("O festlich Sternenzelt!") und, in einem Brief aus dem Jahre 1898, das offensichtlich neu entstandene "Nur Eins" ("Wir, denen Gott den trüben Sinn gegeben"). Zudem finden sich Transkriptionen des Liebesduetts aus "Tristan und Isolde" ("Bricht mein Blick sich ...") und aus "Romeo und Julia" ("Komm, Nacht ... Verhülle mit dem schwarzen Mantel mir") sowie Gedichte von August von Platen und anderen.

Nach Grautoffs Tod im Pariser Exil erwarb der Verleger Kurt Leo Maschler (1898-1986) die Korrespondenzsammlung von dessen Witwe Erna Grautoff; nach Maschlers Flucht aus Österreich 1938 wurde der zurückgelassene Bestand von der Gestapo der ÖNB überstellt und von dieser in deren Autographensammlung einsigniert. 1949 wurde die Sammlung an Maschler rückgestellt (vgl. ÖNB, Allg. Verwaltungs- u. Korrespondenzakten 00/1949 A); erworben aus dem Nachlaß Maschler, Sotheby's 28.5.2015, lot 167.

Detaillierte Verlistung auf Anfrage.

T. Mann, Briefe an Otto Grautoff 1894-1901 und Ida Boy-Ed 1903-1928, hrsg. von Peter de Mendelssohn (1975).

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